Befreiung von den Zuzahlungen

Der Gesetzgeber hat bei fast allen Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherung Zuzahlungen eingeführt (s. auch Zuzahlungen bei Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherung). Damit die Versicherten nicht finanziell unzumutbar belastet werden, sind die während eines Kalenderjahres zu leistenden Zuzahlungen begrenzt.

Lesen Sie hier, bis zu welcher Höhe Zuzahlungen zu leisten sind bzw. wann die Möglichkeit besteht, dass die Krankenkassen von den Zuzahlungen befreit.

Belastungsgrenze

Die Belastungsgrenze, also die Obergrenze, bis zu der Zuzahlungen geleistet werden müssen, beträgt grundsätzlich 2 Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt.

Für chronisch Kranke, die wegen derselben schwerwiegenden Krankheit in Dauerbehandlung sind, beträgt die Belastungsgrenze lediglich 1 Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt.

In der Vergangenheit wurde auch bei einem sehr niedrigen Einkommen immer als Mindest-Einnahme zum Lebensunterhalt der Eckregelsatz herangezogen. Dies galt auch, sofern sich nach Abzug der Abschläge für berücksichtigungsfähige Angehörige ein Einkommen unterhalb des Eckregelsatzes ergab. Das Bundessozialgericht hat mit zwei Urteilen (vom 19.09.2007 und vom 22.04.2008) entschieden, dass dies nicht der gesetzlichen Intention entspricht. Es ist daher nicht zulässig, fiktive Mindest-Bruttoeinnahmen als Einnahmen zum Lebensunterhalt anzusetzen. Das bedeutet, dass in den Fällen, in denen keine berücksichtigungsfähigen Bruttoeinnahmen vorhanden sind, die berücksichtigungsfähigen Bruttoeinnahmen unter dem Eckregelsatz liegen oder die berücksichtigungsfähigen Bruttoeinnahmen nach Abzug der Familienabschläge unter den Eckregelsatz gesunken sind, unabhängig von deren Höhe als tatsächliche Bruttoeinnahmen gelten. Im Extremfall kann die Belastungsgrenze damit bis auf 0,00 Euro absinken. Dies gilt auch in den Fällen, in denen der Versicherte über keine berücksichtigungsfähigen Bruttoeinnahmen - ggf. durch die Familienabschläge - verfügt. In diesen Fällen beträgt die Belastungsgrenze 0,00 Euro.

Für Bezieher von Arbeitslosengeld II und von Sozialhilfe gilt als Bruttoeinnahme zum Lebensunterhalt der jeweils für das Kalenderjahr geltende Eckregelsatz. Dieser Eckregelsatz beträgt im Kalenderjahr 2012 374,00 Euro (im Kalenderjahr 2011 364,00 Euro). Gleiches gilt auch für Bewohner eines Heimes oder einer ähnlichen Einrichtung, deren Kosten ganz oder teilweise von einem Träger der Sozialhilfe oder der Kriegsopferfürsorge getragen werden.

Schwerwiegende chronische Erkrankung

Um eine schwerwiegende Erkrankung handelt es sich, wenn der Versicherte wenigstens ein Jahr lang mindestens einmal pro Quartal ärztlich behandelt wurde und eines der folgenden Merkmale vorhanden ist:

  • Es liegt eine Pflegebedürftigkeit der Pflegestufe II oder III vor.
  • Es liegt ein Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 60% oder eine Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) von mindestens 60% vor, wobei der GdB oder die MdE nach den Maßstäben des Bundesversorgungsgesetzes bzw. SGB VII festgestellt und zumindest auch durch die chronische Krankheit begründet sein muss.

Es ist eine kontinuierliche medizinische Versorgung (ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung, Arzneimitteltherapie, Behandlungspflege, Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln) erforderlich, ohne die nach ärztlicher Einschätzung eine lebensbedrohliche Verschlimmerung, eine Verminderung der Lebenserwartung oder eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die auf Grund der chronischen Krankheit verursachten Gesundheitsstörung zu erwarten ist.

Die Absenkung der Belastungsgrenze auf 1 Prozent ist vom 01. Januar des Kalenderjahres an vorzunehmen, in dem die Behandlung der schwerwiegenden chronischen Erkrankung ein Jahr andauert.

Lesen Sie hierzu auch:

Berücksichtigung von Familienangehörigen

Bei der Ermittlung der Belastungsgrenze werden die Zuzahlungen und die Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt der mit dem Versicherten im gemeinsamen Haushalt lebenden Angehörigen des Versicherten und des Lebenspartners jeweils zusammengerechnet.

Zu den Angehörigen in diesem Sinne gehören:

  • der Ehegatte oder der Lebenspartner nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz und
  • Kinder generell, wenn sie im Haushalt leben bis Vollendung des 18. Lebensjahres. Ab Vollendung des 18. Lebensjahres werden Kinder berücksichtigt, sofern sie familienversichert sind. Zu den Kindern zählen auch die familienversicherten Stief-, Enkel- und Pflegekinder unabhängig vom Lebensalter.

Da bei der Berechnung der Belastungsgrenze auch die Einnahmen der Familienangehörigen berücksichtigt werden, wird die Belastungsgrenze für den ersten im gemeinsamen Haushalt lebenden Angehörigen (im Jahr 2012) um 4.725,00 € gekürzt. Für jedes zu berücksichtigende Kind sind die Einnahmen um einen Betrag nach dem Steuerrecht in Höhe von 7.008,00 € zu kürzen.

Ebenfalls sind auch deren Zuzahlungen mit zu berücksichtigen.

Befreiung im laufenden Kalenderjahr

Wird während eines Kalenderjahres die Belastungsgrenze mit bereits geleisteten Zuzahlungen erreicht, muss die Krankenkasse für den Rest des Kalenderjahres von den Zuzahlungen befreien. Hier empfiehlt es sich, die zuständige Krankenkasse zu kontaktieren.

Die Krankenkassen bieten auch die Möglichkeit an, einen Betrag in der Höhe der Belastungsgrenze zu leistet (also bei der Krankenkasse einzuzahlen), um hiermit – ohne vorab Zuzahlungen zu leisten – eine sofortige Zuzahlungsbefreiung zu erlangen. Dies ist allerdings nur dann möglich, wenn die Einnahmen im Voraus berechnet werden können, es sich also um (relativ) konstante Einnahmen handelt.

Beratung und Hilfe

Bei allen rentenrechtlichen Angelegenheiten der Gesetzlichen Krankenversicherung steht Ihnen der registrierte Rentenberater und Krankenkassenbetriebswirt Helmut Göpfert gerne zur Verfügung.

Hier erhalten Sie auch kompetente Hilfe in Widerspruchs- und Klageverfahren (Sozial- und Landessozialgerichte) zur rechtlichen Durchsetzung der Leistungsansprüche. Fragen Sie den Spezialisten!

Autor: Helmut Göpfert, registrierter Rentenberater

Weitere Artikel zum Thema:

Weitere Artikel

Rentenberatung

Krankengeldberechnung bei Selbstständigen

Berechnung Krankengeld bei freiwillig versicherten Selbstständigen Selbstständige unterliegen in der Gesetzlichen Krankenversicherung nicht der Versicherungspflicht. Dieser Personenkreis hat die Möglichkeit,...

Rentenberatung

weiterlesen

Krankenversicherungsfreiheit höher verdienender Arbeitnehmer

Krankenversicherungsfreiheit aufgrund hohen Einkommens Arbeitnehmer sind grundsätzlich aufgrund Ihrer Beschäftigung gegen Arbeitsentgelt in der Gesetzlichen Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung...

Rentenberatung

weiterlesen

Beitragsberechnung bei mehrfachbeschäftigten Arbeitnehmern

Änderungen in der Beitragsberechnung ab Januar 2012 Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte müssen die Beiträge maximal aus einem Arbeitsentgelt in Höhe der Beitragsbemessungsgrenze...

Rentenberatung

weiterlesen
100%
-
+
1
Show options

Rentenberater

Registrierte Rentenberater

Registrierte Rentenberater sind für ihre Kunden da Vor mehr als einem halben Jahrhundert hat sich der Berufsstand des Rentenberaters gegründet...

Rentenberater

weiterlesen

Berufsstand und Tätigkeitsprofil eines Rentenberater

Der Berufsstand des Rentenberaters Der Berufsstand des Rentenberaters etablierte sich in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts und somit erst...

Rentenberater

weiterlesen

Der Rentenberater

Der Rentenberater Rentenberater sind seit ungefähr 50 Jahren ein wichtiger Bestandteil der Rechtspflege. Das Amts- bzw. Landgericht prüft vor Zulassung...

Rentenberater

weiterlesen
100%
-
+
1
Show options

Rentenversicherung

Abfindung Hinterbliebenenrente bei Hochzeit

Witwen-/Witwerrenten werden abgefunden mit bis zu zwei Jahresrenten Das Rentenrecht sieht für hinterbliebene Ehegatten bzw. eingetragene Lebenspartner die Zahlung von...

Rentenversicherung

weiterlesen

Deutliche Rentenerhöhung 2012

Erwartet wird eine deutliche Rentenerhöhung zum 01.07.2012 Die Schätzungen der Deutschen Rentenversicherung, was die Rentenerhöhungen im Jahr 2012 anbelangt, können...

Rentenversicherung

weiterlesen

Keine Kürzung bei Witwenrenten

Anspruchsvoraussetzungen Witwenrenten werden nicht geändert Die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (kurz: BDA) hatte kürzlich gefordert, dass mit den Anspruchsvoraussetzungen der Witwenrenten...

Rentenversicherung

weiterlesen

Rentenansprüche bei Bezug Arbeitslosengeld

Rentenversicherungsbeiträge: Unterscheidung zwischen ALG I und ALG II Oftmals stellen sich Bezieher von Arbeitslosengeld die Frage, welche Rentenversicherungsbeiträge seitens der...

Rentenversicherung

weiterlesen

17tägige Ehe schließt Witwenrente aus

Versorgungsehe konnte durch Klägerin nicht widerlegt werden Das Leistungsrecht der Gesetzlichen Rentenversicherung sieht vor, dass Versicherte einen Anspruch auf eine...

Rentenversicherung

weiterlesen

Krankenversicherung

Internetportal zu Individuellen Gesundheitsleistungen

Bewertung von Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) Die überwiegende Mehrheit der Patienten hat vom behandelnden Arzt bereits Gesundheitsleistungen angeboten bekommen, für die...

Krankenversicherung

weiterlesen

Kein Kassenbeitrag auf Pflegeleistungen

BSG-Urteil vom 21.12.2011, Az.: B 12 KR 22/09 R Nach einem aktuellen Urteil des Bundessozialgerichts (vgl. Bundessozialgericht, Az. B 12...

Krankenversicherung

weiterlesen

Krankenkasse zu Magenverkleinerung verurteilt

LSG Rheinland Pfalz vom 13.10.2011, Az. L 5 KR 12/11 Nach einem aktuellen Urteil des Landessozialgerichts (kurz: LSG) Rheinland-Pfalz, mit...

Krankenversicherung

weiterlesen

Eintritt in die PKV – so früh wie möglich

Die meisten Personen möchten sich frühzeitig noch keine Gedanken darüber machen, was passiert, wenn sie einmal alt sind. Doch wenn...

Krankenversicherung

weiterlesen

Gleitzonenjobs, neuer Berechnungsfaktor 2012

Neuer Berechnungsfaktor für Beitragsberechnung Midijobs Grundsätzlich werden bei versicherungspflichtig Beschäftigten die Beiträge zu den einzelnen Zweigen der Sozialversicherung (Kranken-, Pflege-,...

Krankenversicherung

weiterlesen

Pflegeversicherung

Eckpunkte Pflegereform 2013

Geplante Verbesserungen Pflegeleistungen 2013 Bereits im November 2011 wurde beschlossen, dass der Beitragssatz zur Sozialen Pflegeversicherung für die Zeit ab...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Altersgerechtes Wohnen, Umbaumaßnahmen finanzieren

Als Senior kommt garantiert irgendwann jeder an den Punkt, an dem man seine Wohnung oder sein Haus nicht mehr wie...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Beitragssatz Pflegeversicherung 2012

News image

Beitragssatz Soziale Pflegeversicherung bleibt 2012 stabil Bereits seit dem 01.07.2008 liegt der Beitragssatz in der Sozialen Pflegeversicherung bei 1,95 Prozentpunkten....

Pflegeversicherung

weiterlesen

Familienpflegezeit

Flexible Arbeitszeit nach dem Familienpflegezeitgesetz ab 2012 Schon seit Juli 2008 haben Beschäftigte die Möglichkeit, sich für die Pflege von...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Rentenversicherungspflicht Pflegepersonen 2012

Beitragszahlungen erhöhen sich nur in alten Bundesländern Pflegepersonen, die einen Pflegebedürftigen nicht erwerbsmäßig pflegen, können in der Gesetzlichen Rentenversicherung versicherungspflichtig...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Unfallversicherung

Mord ist kein Arbeitsunfall

Landessozialgericht verneint Anspruch auf Witwenrente Wird jemand bei einer betriebsbedingten Autofahrt ermordet und steht der Tod nicht im Zusammenhang mit...

Unfallversicherung

weiterlesen

Kein UV-Schutz für geringfügige Hilfeleistungen

Urteil Hessisches Landessozialgericht vom 28.06.2011, Az. L 3 U 134/09 Beschäftigte sind während ihrer beruflichen Tätigkeit gesetzlich unfallversichert. Ereignet sich...

Unfallversicherung

weiterlesen

Illegale Beschäftigung und UV-Schutz

Unfallversicherungsschutz trotz illegaler Beschäftigung Der 9. Senat des Hessischen Landessozialgerichtes (LSG) hat jetzt ein Urteil zur Unfallversicherung von abhängig Beschäftigten...

Unfallversicherung

weiterlesen

Unfallversicherungsschutz Kinder in Tageseinrichtungen

Bundessozialgericht vom 18.01.2011, Az. B 2 U 15/10 R In einem Urteil vom 18.01.2011 kommt das Bundessozialgericht unter dem Aktenzeichen...

Unfallversicherung

weiterlesen

Abschiedsfeier verlängert Arbeitszeit nicht

Arbeitsunfall lag nach betrieblicher Abschiedsfeier nicht vor Nimmt ein Arbeitnehmer am letzten Arbeitstag an einer vom Arbeitgeber veranstalteten Abschiedsfeier teil...

Unfallversicherung

weiterlesen