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Rentenberater
Helmut Göpfert

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Kann die PKV in ihrer jetzigen Form auch in Zukunft bestehen? Zweifel sind zumindest angebracht.

Deutschland leistet sich den Luxus eines zweigeteilten Gesundheitswesens. Heißt: Neben der gesetzlichen Krankenversicherung – kurz GKV – existiert mit der privaten Krankenversicherung ein weiterer Zweig. Während die GKV von Krankenkassen getragen wird und für circa 90 Prozent der Bevölkerung die Vorsorge gegenüber Krankheitskosten ist, basiert die PKV auf privaten Versicherungsverträgen. Das Problem: Für beide Systeme gelten jeweils eigene Gebühren-/Abrechnungsregeln. In der Praxis führt dies dazu, dass Privatpatienten im Regelfall für die Praxen höhere Einnahmen bedeuten. Aufgrund dieser Tatsache werden Versicherte der PKV bei der Terminvergabe und den Wartezeiten in einigen Arztpraxen bevorzugt.

Ein Zustand, welche der SPD und anderen Oppositionsparteien sauer aufstößt. In der Vergangenheit ist die Angleichung der Systeme – in einer Art Bürgerversicherung – immer wieder gescheitert. Mit dem Beginn der Koalitionsverhandlungen rückte die Vereinheitlichung im Gesundheitswesen wieder auf die Tagesordnung. Inzwischen ist so viel klar: Befürworter einer Bürgerversicherung sind gescheitert. Zwar soll eine Kommission prüfen, inwiefern Honorare angeglichen werden können. Der politische Wille einer Handvoll hat sich allerdings nicht – so die Einschätzung von Zeitungen wie der Welt – durchsetzen können. Was trennt PKV und GKV in der Praxis voneinander?

Gesetzliche Krankenversicherung - Kosten und Leistungen

Gesundheit kostet Geld! Diese Erkenntnis ist nicht neu – und betrifft sowohl die PKV als auch die Krankenkassen. Deren Spitzenverband hat Zahlen für die Jahre 2012 bis 2016 veröffentlicht. Die Erkenntnis: Bei den Leistungsausgaben haben die gesetzlichen Kassen in den vergangenen Jahren ein Plus von 173 Milliarden Euro auf über 210 Milliarden stemmen müssen. Eine Zunahme, die nachdenklich macht.

Einerseits stellt sich die Frage, wer in Zukunft – vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung – die Leistungsausgaben stemmen soll. Auf der anderen Seite muss die Politik Antworten darauf finden, wo gespart werden kann. In letzten Jahren haben gerade den Sparwillen viele Krankenversicherte zu spüren bekommen – in Form von:

  • Zuzahlungen
  • Eigenleistungen
  • Leistungskürzungen.

Ein Beispiel ist das Sterbegeld, welches inzwischen ersatzlos gestrichen ist. Aber auch beim Thema Zahnersatz muss der Patient in die eigene Tasche greifen.

Finanziert wird die GKV aus den Beitragszahlungen der Versicherten. Grundsätzlich sind Arbeitnehmer in der GKV nach dem 5. Sozialgesetzbuch pflichtversichert. Versicherungsfreiheit bzw. die Befreiung von der Versicherungspflicht ist nur in bestimmten Ausnahmefällen möglich.

Bemessen wird der Beitrag über das Einkommen. Bis zur Höhe der Beitragsbemessungsgrenze teilen sich Beschäftigte und Arbeitnehmer den allgemeinen Beitragssatz, der bei insgesamt 14,6 Prozent liegt. Entstehen einer Krankenkasse höhere Leistungsausgaben, kann sie einen Zusatzbeitrag erheben. Dieser liegt derzeit (Stand Februar 2018) bei einem Prozent und ist allein durch den Versicherten zu finanzieren.

GKV-Leistungen zentral festgelegt

Hinsichtlich der Leistungen haben die Krankenkassen nur begrenzt Spielraum. Hintergrund: Welchen Behandlungen einem Kassenpatienten zustehen, entscheidet sich zentral. Ein Ausschuss legt fest, welche Leistungen zweckmäßig und medizinisch notwendig sind, um eine Diagnose zu behandeln. Gleichzeitig wird vorgeschrieben, was eine Behandlung zu kosten hat.

Private Krankenversicherung - Kosten und Leistungen

Während die GKV nach dem Solidarprinzip aufgebaut ist, funktioniert die private Krankenversicherung nach anderen Regeln. Generell gilt inzwischen zwar deutschlandweit eine Versicherungspflicht. Verbraucher können aber (innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen) frei wählen, wie sie sich als Privatpatient versichern.

Bedeutet, dass sich ein Versicherter für:

  • Chefarztbehandlung
  • 1-Bett-Zimmer
  • Homöopathie
  • 100 Prozent Zahnersatz

entscheiden kann. Einmal vertraglich festgelegt, kann der Versicherer – anders als in der GKV – die Leistungen nicht einfach nach Gutdünken ändern.

Aber: Privatversicherte müssen Premiumleistungen finanzieren können. Und zwischen einem Tarif aus der Mittelklasse und dem Premiumsegment können schnell einige hundert Euro liegen. Wie errechnet sich der Beitrag? In der PKV sind Aspekte wie:

  • das Leistungsniveau
  • das Eintrittsalter
  • die Vorerkrankungen

entscheidend. Generell gilt, dass ältere Antragsteller einen höheren Beitrag zahlen. Vorerkrankungen führen dazu, dass Risikozuschläge erhoben oder Leistungsausschlüsse vereinbart werden. Zusätzlich beeinflusst den Beitrag die Thematik der Altersrückstellungen. Deren Bildung ist gesetzlich vorgeschrieben und verfolgt den Zweck, Beiträge im Alter zu stabilisieren. Aufgrund der großen Unterschiede ist es sinnvoll, vor dem Abschluss verschiedene Tarife zu vergleichen. Ein solcher Vergleich schafft Orientierung und zeigt auf, was auf dem Markt gerade als günstig gilt und welche Versicherer eher teuer aufgestellt sind.

Warum hat die PKV Zukunftsprobleme?

Eigentlich gilt die private Krankenversicherung als sicherer Hafen für Verbraucher. Wer sich hier versichern kann, hat es geschafft. Leistungen auf hohem Niveau und kurze Wartezeiten. Die Kehrseite bekommen die Versicherten zu spüren, wenn Beitragseinnahmen und Ausgaben überprüft werden – sprich eine Neuberechnung der Prämien ansteht.

Seitens der Versicherer wird der Erwartungsdruck, den sowohl die Versicherten als auch die Ärzte aufbauen, zunehmend eine Belastung. Die Hintergründe sind unter anderem:

  • steigende Kosten im Gesundheitswesen
  • die demografische Entwicklung
  • niedrige Zinsen an den Kapitalmärkten.

Und auch der Gesetzgeber trägt einen Teil zur Misere bei. Wird – wie in den letzten Jahren regelmäßig geschehen – die JAEG (Versicherungspflichtgrenze) angehoben, erschwert dies den Zugang für Neukunden.

Besonders drastisch haben sich zuletzt aber die Leitzinsen ausgewirkt. Der Grund: Die privaten Krankenversicherer sind institutionelle Anleger, welche Rücklagen für die Altersrückstellungen bilden. Und hierfür setzen diese auf Anlageformen, die unter den Niedrigzinsen leiden. Eine Tatsache, welche in den letzten Jahren zu teils dramatischen Beitragsanpassungen geführt hat. Überhaupt ist es die Beitragsentwicklung, welche in der Vergangenheit der PKV viel Kritik eingebracht hat. Einige Experten gehen davon aus, dass das deutsche Modell in seiner aktuellen Form irgendwann einfach verändert werden muss.

Fazit: PKV und GKV unterscheiden sich noch

Endlich privat versichern – für viele Kassenpatienten ist dieser Satz unerreichbar. Der Gesetzgeber sorgt mit der Versicherungspflichtgrenze dafür, dass Beschäftigte (anders als Beamte) nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten haben, um in die PKV einzutreten. Letztere gilt – wegen kurzer Wartezeiten in der Terminvergabe und dem 1-Bett-Zimmer im Krankenhaus – vielen als die bessere Absicherung. Bei diesen Argumenten fällt unter den Tisch, welchen Herausforderungen die Branche gegenübersteht. Premiumleistungen kosten genauso Geld wie die demografische Entwicklung. Und gerade unter steigenden Ausgaben im Gesundheitswesen hat die PKV (in Kombination mit niedrigen Zinsen) seit Jahren zu leiden. Daran ändern auch die Vorteile für den Versicherten nichts.

Abbildung : © blickpixel (CC0-Lizenz) / pixabay.com

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