Leistungen Behindertenhilfe-Einrichtungen und ambulante Pflegeleistungen

Für Pflegebedürftige, die in Behindertenhilfe-Einrichtungen untergebracht sind, leistet die Soziale Pflegeversicherung hierfür einen Betrag in Höhe von monatlich bis zu 256,00 Euro. Die Kosten für die Unterbringung werden grundsätzlich vom Sozialhilfeträger übernommen. Mit dem Leistungsbetrag der Pflegeversicherung werden die Leistungen abgegolten, die der Pflegebedürftige grundsätzlich im Rahmen einer vollstationären Pflegeleistung beanspruchen könnte (s. auch: Pflege in Einrichtungen der Behindertenhilfe). Die in den Einrichtungen erfüllen dann die Voraussetzungen als Einrichtung der Behindertenhilfe (Einrichtung der Hilfe für behinderte Menschen), wenn diese die Teilhabe am Arbeitsleben und am Leben in der Gemeinschaft, die Erziehung oder die schulische Ausbildung behinderter Menschen im Vordergrund des Einrichtungszweckes haben.

Oftmals kommt es vor, dass die in den Einrichtungen der Behindertenhilfe untergebrachten Pflegebedürftigen, bei denen es sich in der Regel um Kinder und Jugendliche handelt, an den Wochenenden oder/und in den Ferienzeiten nach Hause kommen. Für die Zeit des Aufenthalts im häuslichen Bereich können ambulante Pflegeleistungen beansprucht werden. Daher sehen die gesetzlichen Vorschriften der Sozialen Pflegeversicherung vor, dass die Leistungen der Pflegebedürftigen in den Behindertenhilfe-Einrichtungen mit den ambulanten Pflegeleistungen (Pflegegeld, Pflegesachleistung, Kombinationsleistung) kombiniert werden können.

Kombination mit Pflegegeld

Kommt der Pflegebedürftige an den Wochenenden, in den Ferienzeiten oder beispielsweise in Zeiten der Krankheit in den häuslichen Bereich und wird ausschließlich durch eine ehrenamtliche, also durch eine nicht erwerbsmäßig tätige, Pflegeperson gepflegt, wird ein anteiliges Pflegegeld geleistet. Das Pflegegeld, das für die Tage geleistet wird, in denen sich der Pflegebedürftige im häuslichen Bereich aufhält, beträgt pro Kalendertag 1/30 des monatlichen anteiligen Pflegegeldes. Die Abreisetage und die Anreisetage in der Einrichtung der Behindertenhilfe gelten – auch wenn an diesen Tagen die Pflege nicht vollständig von der ehrenamtlichen Pflegeperson durchgeführt wird – als volle Tage.

In der Praxis erfolgt im häuslichen Bereich die Pflege im Regelfall durch einen Elternteil. Damit die Abwesenheitstage des Pflegebedürftigen nachgewiesen werden und die zuständige Pflegekasse das anteilige Pflegegeld berechnen kann, erstellt die Behindertenhilfe-Einrichtung eine entsprechende Bescheinigung, auf der die Ab- und Anreisetage aufgelistet sind. Im Regelfall werden diese Bescheinigungen von den Einrichtungen im Dreimonatsintervall erstellt.

Aufgrund einer Änderung im Gemeinsamen Rundschreiben zum Leistungsrecht der Pflegeversicherung wird ab April 2011 der Leistungsbetrag, welchen die Pflegekasse für die Unterbringung in der Behindertenhilfe-Einrichtung gewährt, als Sachleistungsbetrag gewertet. Dies hat zur Folge, dass bei der Berechnung des anteiligen Pflegegeldes für die häusliche Pflege die Berechnung des anteiligen Pflegegeldes wie bei der Kombinationsleistung (nach § 38 SGB XI) erfolgt.

Insgesamt darf der nach § 43a SGB XI in Anspruch genommene Leistungsbetrag zusammen mit dem anteiligen Pflegegeld den monatlichen Sachleistungsbetrag nicht überschreiten. Der maximale Sachleistungsbetrag beträgt in den Jahren 2010 und 2011 in der Pflegestufe I 440,00 Euro, in der Pflegestufe II 1.040,00 Euro und in der Pflegestufe III 1.510,00 Euro.

Beispiel

Ein Pflegebedürftiger ist in die Pflegestufe III eingestuft und befindet sich grundsätzlich internatsmäßig in einer Behindertenhilfe-Einrichtung. Für diese Unterbringung leistet die zuständige Pflegekasse den maximalen monatlichen Leistungsbetrag von 256,00 Euro. Im Mai 2011 befand sich der Pflegebedürftige jeweils von Freitagnachmittag bis Montagvormittag zu Hause und wurde von einem Elternteil gepflegt. Insgesamt befand er sich damit für zwölf Kalendertage im häuslichen Bereich.

Berechnung anteiliges Pflegegeld

In der Pflegestufe III beträgt der maximale monatliche Sachleistungsanspruch 1.510,00 Euro. Durch die Leistung des Betrages für die Behinderhilfe-Einrichtung wurden im Mai (256,00 Euro x 100 / 1.510,00 Euro =) 16,95 Prozent des möglichen Sachleistungsanspruchs „verbraucht“. Damit steht im Mai 2011 noch ein Pflegegeld in Höhe von (100 Prozent – 16,95 Prozent =) 83,05 Prozent zur Verfügung.

Das volle monatliche Pflegegeld beträgt in der Pflegestufe III 685,00 Euro. In diesem Fall würde das Pflegegeld aufgrund der beanspruchten Sachleistung (Behindertenhilfe-Einrichtung) noch (685,00 x 83,05 Prozent =) 568,89 Euro betragen.

Für die Tage der häusliche Pflege kann somit grundsätzlich ein anteiliges Pflegegeld von (568,89 Euro / 30 Tage x 12 Tage =) 227,52 Euro geleistet werden.

Da der Leistungsbetrag für die Unterbringung in der Behindertenhilfe-Einrichtung zusammen mit dem Pflegegeld (gesamt: 483,52 Euro) den maximalen Sachleistungsbetrag von 1.510,00 Euro nicht übersteigt, erfolgt die Auszahlung des errechneten anteiligen Pflegegeldes von 227,52 Euro in voller Höhe.

Kombination mit Pflegesachleistung

Wird der Pflegebedürftige, der von der Behindertenhilfe-Einrichtung nach Hause kommt, ausschließlich durch einen ambulanten Pflegedienst (Sozialstation) gepflegt, wird der Betrag von bis zu 256,00 Euro auf den maximalen Sachleistungsanspruch angerechnet. Das bedeutet, dass der Leistungsbetrag von maximal 256,00 Euro zusammen mit der Pflegesachleistung im Monat für Pflegebedürftige der Pflegestufe I einen Betrag von monatlich 440,00 Euro, in der Pflegestufe II von maximal 1.040,00 Euro und in der Pflegestufe III von maximal 1.510,00 Euro nicht übersteigen darf.

Kombination mit Kombinationsleistung

Sollte ein Pflegebedürftiger während des Aufenthaltes im häuslichen Bereich neben einer ehrenamtlichen Pflegeperson noch zusätzlich von einem ambulanten Pflegedienst gepflegt werden, wird damit zu Hause die sogenannte Kombinationsleistung (Kombination von Pflegegeld und Pflegesachleistung) beansprucht. In der Praxis kommt diese Fallkonstellation selten vor.

Sofern der Leistungsbetrag für die Behindertenhilfe-Einrichtung zusammen mit der Pflegesachleistung den maximalen Sachleistungsbetrag nicht übersteigt, kommt noch eine Auszahlung eines anteiligen Pflegegeldes in Frage.

Beispiel

Ein Pflegebedürftiger der Pflegestufe III ist grundsätzlich in einer Einrichtung der Hilfe für behinderte Menschen untergebracht. Hierfür zahlt die Pflegekasse einen Leistungsbetrag in Höhe von monatlich 256,00 Euro. An den Wochenenden kommt der Pflegebedürftige jeweils von Freitagnachmittag bis Montagvormittag nach Hause und wird hier von der Mutter gepflegt. Zusätzlich kommt zur Unterstützung noch der Pflegedienst.

Im Mai 2011 war der Pflegebedürftige an insgesamt zwölf Tagen zu Hause. Der Pflegedienst rechnet für Mai 2011 insgesamt 150,00 Euro für die in Anspruch genommene Pflegesachleistung ab.

Berechnung anteiliges Pflegegeld

Im Mai 2011 wurden insgesamt (256,00 Euro + 150,00 Euro =) 406,00 Euro an Pflegesachleistungen beansprucht. Dies entspricht einem Anteil von (406,00 Euro x 100 / 1.510,00 Euro =) 26,89 Prozent. Damit besteht auf das Pflegegeld (für einen vollen Monat) nur noch ein anteiliger Anspruch in Höhe von (100 Prozent – 26,89 Prozent =) 73,11 Prozent, für Mai 2011 also (685,00 Euro x 73,11 Prozent =) 500,80 Euro.

Da sich der Pflegebedürftige an insgesamt zwölf Tagen im häuslichen Bereich befunden hatte, besteht ein anteiliger Pflegegeldanspruch von (500,80 Euro / 30 Tage x 12 Tage =) 200,28 Euro.

Da die einzelnen Leistungsbeträge (256,00 Euro + 150,00 Euro + 200,28 Euro = 606,28 Euro), den maximalen monatlichen Sachleistungsanspruch von 1.510,00 Euro nicht übersteigen, kann das errechnete Pflegegeld in Höhe von 200,28 Euro zu Auszahlung kommen.

Weitere Artikel zum Thema:
Weitere Artikel

Rentenberatung

Rentenbeginn

Beginn von Renten der Gesetzlichen Rentenversicherung Besteht ein Anspruch auf eine Rente der Gesetzlichen Rentenversicherung, muss seitens des Rentenversicherungsträgers geprüft...

Rentenberatung

weiterlesen

Arbeitsmarktrente

Arbeitsmarktrente, die besondere volle Erwerbsminderungsrente Die Arbeitsmarktrente ist eine besondere Rente, welche von der Gesetzlichen Rentenversicherung im Falle einer Erwerbsminderung...

Rentenberatung

weiterlesen

Reisekosten (GRV)

Fahrkosten/Transportkosten von der Gesetzlichen Rentenversicherung Nimmt ein Versicherter zu Lasten der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) eine medizinische Rehabilitationsbehandlung oder eine Leistung...

Rentenberatung

weiterlesen
100%
-
+
1
Show options

Rentenberater

Registrierte Rentenberater

Registrierte Rentenberater sind für ihre Kunden da Vor mehr als einem halben Jahrhundert hat sich der Berufsstand des Rentenberaters gegründet...

Rentenberater

weiterlesen

Berufsstand und Tätigkeitsprofil eines Rentenberater

Der Berufsstand des Rentenberaters Der Berufsstand des Rentenberaters etablierte sich in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts und somit erst...

Rentenberater

weiterlesen

Der Rentenberater

Der Rentenberater Rentenberater sind seit ungefähr 50 Jahren ein wichtiger Bestandteil der Rechtspflege. Das Amts- bzw. Landgericht prüft vor Zulassung...

Rentenberater

weiterlesen
100%
-
+
1
Show options

Rentenversicherung

Rentenversicherungspflicht von selbstständigen Logopäden

Versicherungspflicht kann ab 01.04.2012 bestehen In der Gesetzlichen Rentenversicherung unterliegen auch Selbstständige teilweise der Versicherungspflicht. So werden nach § 2...

Rentenversicherung

weiterlesen

Seniorenstudium keine Anrechnungszeit

Seniorenstudium wird nicht als rentenrechtliche Anrechnungszeit gewertet Bei der Berechnung einer Rente werden in erster Linie die Beitragszeiten gewertet. Das...

Rentenversicherung

weiterlesen

Jahresmeldungen 2011 prüfen

Jahresmeldung für Rentenkonto wichtig! Spätestens bis zum 30.04.2012 müssen die Arbeitgeber die Jahresmeldung für das Jahr 2011 abgeben. Die Meldung...

Rentenversicherung

weiterlesen

Handwerker-Pflichtversicherung soll abgeschafft werden

Bald keine Rentenversicherungspflicht selbstständiger Handwerker mehr Selbstständige Handwerker sind nach der aktuellen Gesetzeslage in der Gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Konkret bedeutet...

Rentenversicherung

weiterlesen

Rentenerhöhung 2012

Kräftige Rentenerhöhung zum 01.07.2012 Die mehr als 20 Millionen Rentenbezieher dürfen sich auf eine kräftige Rentenerhöhung zum 01.07.2012 freuen. Die...

Rentenversicherung

weiterlesen

Krankenversicherung

Keine Spitzenmedizin um jeden Preis

Keine Kostenübernahme spezieller Krebsdiagnostik im Ausland Die Gesetzliche Krankenversicherung muss nicht für die Diagnostik und Krankenbehandlung aufkommen, die der Spitzenmedizin...

Krankenversicherung

weiterlesen

Freiwilliger Wehrdienst und die Sozialversicherung

Sozialversicherungsrechtliche Auswirkung des freiwilligen Wehrdienstes Zum 01.07.2011 wurde der Bundesfreiwilligendienst eingeführt. Zeitgleich wurde die bis dahin bestehende Wehrpflicht ausgesetzt. Der...

Krankenversicherung

weiterlesen

Fettabsaugung nicht auf Kassenkosten

Liposuktion darf Krankenkasse nicht übernehmen Bei einer Fettabsaugung, einer sogenannten Liposuktion, handelt es sich um eine neue Untersuchungs- und Behandlungsmethode....

Krankenversicherung

weiterlesen

Nationaler Krebsplan macht Fortschritte

Bekämpfung der Krankheit Krebs Mit über 218.000 Todesfällen pro Jahr ist Krebs die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Jahr für Jahr...

Krankenversicherung

weiterlesen

Arbeitsunfähig auch bei Besuch des Fitnessstudios

Landesarbeitsgericht Köln vom 02.11.2011, S 9 SA 1581/10 Arbeitnehmer haben im Falle einer Arbeitsunfähigkeit gegenüber dem Arbeitgeber einen Entgeltfortzahlungsanspruch für...

Krankenversicherung

weiterlesen

Pflegeversicherung

Eckpunkte Pflegereform 2013

Geplante Verbesserungen Pflegeleistungen 2013 Bereits im November 2011 wurde beschlossen, dass der Beitragssatz zur Sozialen Pflegeversicherung für die Zeit ab...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Altersgerechtes Wohnen, Umbaumaßnahmen finanzieren

Als Senior kommt garantiert irgendwann jeder an den Punkt, an dem man seine Wohnung oder sein Haus nicht mehr wie...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Beitragssatz Pflegeversicherung 2012

News image

Beitragssatz Soziale Pflegeversicherung bleibt 2012 stabil Bereits seit dem 01.07.2008 liegt der Beitragssatz in der Sozialen Pflegeversicherung bei 1,95 Prozentpunkten....

Pflegeversicherung

weiterlesen

Familienpflegezeit

Flexible Arbeitszeit nach dem Familienpflegezeitgesetz ab 2012 Schon seit Juli 2008 haben Beschäftigte die Möglichkeit, sich für die Pflege von...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Rentenversicherungspflicht Pflegepersonen 2012

Beitragszahlungen erhöhen sich nur in alten Bundesländern Pflegepersonen, die einen Pflegebedürftigen nicht erwerbsmäßig pflegen, können in der Gesetzlichen Rentenversicherung versicherungspflichtig...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Unfallversicherung

Entfernung gefährdender Gegenstand von Autobahn ist unfallversichert

Bundessozialgericht vom 27.03.2012, Az. B 2 U 7/11 R Unter dem gesetzlichen Unfallversicherungsschutz stehen nicht nur Arbeitnehmer während ihrer beruflichen...

Unfallversicherung

weiterlesen

Beinahe-Unfall kann Arbeitsunfall sein

Beinahe-Unfall kann grundsätzlich gesetzlicher Arbeitsunfall sein In seinen Urteilen vom 29.11.2011 (Az. B 2 U 10/11 R und B 2...

Unfallversicherung

weiterlesen

Pause war ohne gesetzlichen Unfallversicherungsschutz

Urteil Bayerisches Landessozialgericht vom 25.10.2011, Az. L 3 U 52/11 Mit Urteil vom 25.10.2011 entschied das Bayerische Landessozialgericht über die...

Unfallversicherung

weiterlesen

Mord ist kein Arbeitsunfall

Landessozialgericht verneint Anspruch auf Witwenrente Wird jemand bei einer betriebsbedingten Autofahrt ermordet und steht der Tod nicht im Zusammenhang mit...

Unfallversicherung

weiterlesen

Kein UV-Schutz für geringfügige Hilfeleistungen

Urteil Hessisches Landessozialgericht vom 28.06.2011, Az. L 3 U 134/09 Beschäftigte sind während ihrer beruflichen Tätigkeit gesetzlich unfallversichert. Ereignet sich...

Unfallversicherung

weiterlesen