Unterbrechung Arbeitsweg zum Geldabheben nicht unfallversichert

Die Wege zur bzw. von der Betriebsstätte stehen unter dem Schutz der Gesetzlichen Unfallversicherung. Erleidet ein Beschäftigter auf einem solchen Weg einen Unfall, handelt es sich um einen Wegeunfall, für deren Folgen der gesetzliche Unfallversicherungsträger aufkommt. Wird der direkte Arbeitsweg allerdings unterbrochen, kann damit auch der Versicherungsschutz verloren gehen.

Allerdings führt nicht jede Unterbrechung des Arbeitsweges zwangsläufig auch zum Erlöschen des Versicherungsschutzes. Daher muss jeder Fall individuell beurteilt werden. Sollte ein Unfall nicht als Wegeunfall bzw. Arbeitsunfall durch den zuständigen Unfallversicherungsträger anerkannt werden, empfiehlt es sich, den Ablehnungsbescheid genau prüfen zu lassen. Für die Prüfung eines Ablehnungsbescheides stehen registrierte Rentenberater zur Verfügung, die unabhängig von den Versicherungsträgern arbeiten und die Leistungsansprüche auch in Widerspruchs- und Klageverfahren (Sozial- und Landessozialgerichte) durchsetzen können. Ein Beispiel, dass eine Unterbrechung des Arbeitsweges eine genaue Prüfung erfordert, ob der Versicherungsschutz durchgängig gegeben bzw. ausgeschlossen ist, zeigt der Rechtsstreit, über den das Bundessozialgericht am 24.06.2003 entscheiden musste.

Unfall während Unterbrechung des Arbeitsweges

Ein Beschäftigter erlitt am 13.08.1999 einen Unfall, als er seinen direkten Weg zur Arbeitsstätte unterbrochen hatte, um bei der Bank Geld abzuheben. Er war mit einem Leichtkraftrad unterwegs und verließ an einer Kreuzung den regulären Arbeitsweg und befuhr eine andere Straße um zur Bank zu gelangen. Kurz vor der Bank ereignete sich der Unfall, bei dem der Beschäftigte erhebliche Verletzungen davon trug. Aufgrund des Umweges zur Bank verlängerte sich der Arbeitsweg um 100 Meter.

Die zuständige Berufsgenossenschaft lehnte es ab, den Unfall als Wegeunfall der Gesetzlichen Unfallversicherung anzuerkennen. Da der direkte Arbeitsweg aus privaten Gründen unterbrochen wurde, kann es sich nach Auffassung der Berufsgenossenschaft nicht mehr um einen Unfall handeln, der unter dem Schutz der Gesetzlichen Unfallversicherung steht. Der Beschäftigte beschritt daher den sozialgerichtlichen Klageweg. Zunächst gab das Sozialgericht Nürnberg (erste sozialgerichtliche Instanz) der Berufsgenossenschaft Recht und verneinte das Vorliegen eines Wegeunfalles. Zu einem anderen Ergebnis gelangten jedoch die Richter des Bayerischen Landessozialgerichts. Diese kamen zu dem Ergebnis, dass nicht nur der kürzeste Weg zur Betriebsstätte unfallversichert ist. Umwege, welche wegen privaten, ganz kleinen Zwecken in Kauf genommen werden, unterbrechen den Unfallversicherungsschutz nicht. Dies trifft auf den Unfall vom 13.08.1999 zu, weshalb seitens des Landessozialgerichts die Berufsgenossenschaft zur Anerkennung des Unfalls als Wegeunfall verurteilt wurde.

Die Berufsgenossenschaft legte gegen die Entscheidung des Bayerischen Landessozialgerichts Revision ein, so dass das Bundessozialgericht über den Fall entscheiden musste.

Verrichtung „im Vorbeigehen“

Das Bundessozialgericht verneinte mit Urteil vom 24.06.2003 (Az. B 2 U 40/02 R), dass es sich bei dem Unfall am 13.08.1999 um einen Wegeunfall handelt, für deren Folgen der Gesetzliche Unfallversicherungsträger aufzukommen hat. Zwar wurde der Arbeitsweg durch den Umweg „nur“ um etwa 100 Meter verlängert. Doch das Abheben von Geld ist keine Verrichtung, die nur „so im Vorbeigehen“ erledigt werden kann. Nur solche Verrichtungen, die „im Vorbeigehen“ getätigt werden können, unterbrechen den gesetzlichen Unfallversicherungsschutz nicht. Der Kläger musste jedoch, um das Geld abzuheben, den Verkehrsraum der Straße verlassen. Damit entfernte er sich aus eigenwirtschaftlichen Gründen von seinem direkten Arbeitsweg. Dies hat zur Folge, dass zum Unfallzeitpunkt der innere Zusammenhang mit der versicherten, betrieblichen Tätigkeit gelöst wurde. Seitens des höchsten Sozialgerichts Deutschlands, dem Bundessozialgericht, wurde der Unfall, den der Kläger aufgrund des Geldabhebens erlitten hatte, nicht als Wegeunfall anerkannt.

Beratung durch Rentenberater

Haben Sie Fragen zur Gesetzlichen Unfallversicherung? Dann kontaktieren Sie einen registrierten Rentenberater, der Ihnen für alle Rentenfragen zu diesem Sozialversicherungszweig kompetent zur Verfügung steht.

Kontakt zum Rentenberater…

Weitere Artikel zum Thema:

Weitere Artikel

Rentenberatung

Rentenbeginn

Beginn von Renten der Gesetzlichen Rentenversicherung Besteht ein Anspruch auf eine Rente der Gesetzlichen Rentenversicherung, muss seitens des Rentenversicherungsträgers geprüft...

Rentenberatung

weiterlesen

Arbeitsmarktrente

Arbeitsmarktrente, die besondere volle Erwerbsminderungsrente Die Arbeitsmarktrente ist eine besondere Rente, welche von der Gesetzlichen Rentenversicherung im Falle einer Erwerbsminderung...

Rentenberatung

weiterlesen

Reisekosten (GRV)

Fahrkosten/Transportkosten von der Gesetzlichen Rentenversicherung Nimmt ein Versicherter zu Lasten der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) eine medizinische Rehabilitationsbehandlung oder eine Leistung...

Rentenberatung

weiterlesen
100%
-
+
1
Show options

Rentenberater

Registrierte Rentenberater

Registrierte Rentenberater sind für ihre Kunden da Vor mehr als einem halben Jahrhundert hat sich der Berufsstand des Rentenberaters gegründet...

Rentenberater

weiterlesen

Berufsstand und Tätigkeitsprofil eines Rentenberater

Der Berufsstand des Rentenberaters Der Berufsstand des Rentenberaters etablierte sich in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts und somit erst...

Rentenberater

weiterlesen

Der Rentenberater

Der Rentenberater Rentenberater sind seit ungefähr 50 Jahren ein wichtiger Bestandteil der Rechtspflege. Das Amts- bzw. Landgericht prüft vor Zulassung...

Rentenberater

weiterlesen
100%
-
+
1
Show options

Rentenversicherung

Rentenversicherungspflicht von selbstständigen Logopäden

Versicherungspflicht kann ab 01.04.2012 bestehen In der Gesetzlichen Rentenversicherung unterliegen auch Selbstständige teilweise der Versicherungspflicht. So werden nach § 2...

Rentenversicherung

weiterlesen

Seniorenstudium keine Anrechnungszeit

Seniorenstudium wird nicht als rentenrechtliche Anrechnungszeit gewertet Bei der Berechnung einer Rente werden in erster Linie die Beitragszeiten gewertet. Das...

Rentenversicherung

weiterlesen

Jahresmeldungen 2011 prüfen

Jahresmeldung für Rentenkonto wichtig! Spätestens bis zum 30.04.2012 müssen die Arbeitgeber die Jahresmeldung für das Jahr 2011 abgeben. Die Meldung...

Rentenversicherung

weiterlesen

Handwerker-Pflichtversicherung soll abgeschafft werden

Bald keine Rentenversicherungspflicht selbstständiger Handwerker mehr Selbstständige Handwerker sind nach der aktuellen Gesetzeslage in der Gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Konkret bedeutet...

Rentenversicherung

weiterlesen

Rentenerhöhung 2012

Kräftige Rentenerhöhung zum 01.07.2012 Die mehr als 20 Millionen Rentenbezieher dürfen sich auf eine kräftige Rentenerhöhung zum 01.07.2012 freuen. Die...

Rentenversicherung

weiterlesen

Krankenversicherung

Keine Spitzenmedizin um jeden Preis

Keine Kostenübernahme spezieller Krebsdiagnostik im Ausland Die Gesetzliche Krankenversicherung muss nicht für die Diagnostik und Krankenbehandlung aufkommen, die der Spitzenmedizin...

Krankenversicherung

weiterlesen

Freiwilliger Wehrdienst und die Sozialversicherung

Sozialversicherungsrechtliche Auswirkung des freiwilligen Wehrdienstes Zum 01.07.2011 wurde der Bundesfreiwilligendienst eingeführt. Zeitgleich wurde die bis dahin bestehende Wehrpflicht ausgesetzt. Der...

Krankenversicherung

weiterlesen

Fettabsaugung nicht auf Kassenkosten

Liposuktion darf Krankenkasse nicht übernehmen Bei einer Fettabsaugung, einer sogenannten Liposuktion, handelt es sich um eine neue Untersuchungs- und Behandlungsmethode....

Krankenversicherung

weiterlesen

Nationaler Krebsplan macht Fortschritte

Bekämpfung der Krankheit Krebs Mit über 218.000 Todesfällen pro Jahr ist Krebs die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Jahr für Jahr...

Krankenversicherung

weiterlesen

Arbeitsunfähig auch bei Besuch des Fitnessstudios

Landesarbeitsgericht Köln vom 02.11.2011, S 9 SA 1581/10 Arbeitnehmer haben im Falle einer Arbeitsunfähigkeit gegenüber dem Arbeitgeber einen Entgeltfortzahlungsanspruch für...

Krankenversicherung

weiterlesen

Pflegeversicherung

Eckpunkte Pflegereform 2013

Geplante Verbesserungen Pflegeleistungen 2013 Bereits im November 2011 wurde beschlossen, dass der Beitragssatz zur Sozialen Pflegeversicherung für die Zeit ab...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Altersgerechtes Wohnen, Umbaumaßnahmen finanzieren

Als Senior kommt garantiert irgendwann jeder an den Punkt, an dem man seine Wohnung oder sein Haus nicht mehr wie...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Beitragssatz Pflegeversicherung 2012

News image

Beitragssatz Soziale Pflegeversicherung bleibt 2012 stabil Bereits seit dem 01.07.2008 liegt der Beitragssatz in der Sozialen Pflegeversicherung bei 1,95 Prozentpunkten....

Pflegeversicherung

weiterlesen

Familienpflegezeit

Flexible Arbeitszeit nach dem Familienpflegezeitgesetz ab 2012 Schon seit Juli 2008 haben Beschäftigte die Möglichkeit, sich für die Pflege von...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Rentenversicherungspflicht Pflegepersonen 2012

Beitragszahlungen erhöhen sich nur in alten Bundesländern Pflegepersonen, die einen Pflegebedürftigen nicht erwerbsmäßig pflegen, können in der Gesetzlichen Rentenversicherung versicherungspflichtig...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Unfallversicherung

Entfernung gefährdender Gegenstand von Autobahn ist unfallversichert

Bundessozialgericht vom 27.03.2012, Az. B 2 U 7/11 R Unter dem gesetzlichen Unfallversicherungsschutz stehen nicht nur Arbeitnehmer während ihrer beruflichen...

Unfallversicherung

weiterlesen

Beinahe-Unfall kann Arbeitsunfall sein

Beinahe-Unfall kann grundsätzlich gesetzlicher Arbeitsunfall sein In seinen Urteilen vom 29.11.2011 (Az. B 2 U 10/11 R und B 2...

Unfallversicherung

weiterlesen

Pause war ohne gesetzlichen Unfallversicherungsschutz

Urteil Bayerisches Landessozialgericht vom 25.10.2011, Az. L 3 U 52/11 Mit Urteil vom 25.10.2011 entschied das Bayerische Landessozialgericht über die...

Unfallversicherung

weiterlesen

Mord ist kein Arbeitsunfall

Landessozialgericht verneint Anspruch auf Witwenrente Wird jemand bei einer betriebsbedingten Autofahrt ermordet und steht der Tod nicht im Zusammenhang mit...

Unfallversicherung

weiterlesen

Kein UV-Schutz für geringfügige Hilfeleistungen

Urteil Hessisches Landessozialgericht vom 28.06.2011, Az. L 3 U 134/09 Beschäftigte sind während ihrer beruflichen Tätigkeit gesetzlich unfallversichert. Ereignet sich...

Unfallversicherung

weiterlesen