Kein gesetzlicher UV-Schutz bei unangemessenem Wegerisiko

Der Weg zur Arbeitsstelle und zurück steht unter dem Versicherungsschutz der Gesetzlichen Unfallversicherung. Ereignet sich auf diesem Weg ein Unfall, handelt es sich grundsätzlich um einen Wegeunfall, für deren Folgen der zuständige Unfallversicherungsträger die Kosten übernimmt. Der Leistungsanspruch reicht von der Kostenübernahme für die notwendige Heilbehandlung bis hin zur Gewährung von Verletztengeld und ggf. sogar einer Verletztenrente.

Ein Unfallversicherungsschutz besteht jedoch grundsätzlich nur für den direkten Weg zur bzw. von der Arbeitsstätte. Wird ein Umweg gefahren, prüft der Unfallversicherungsträger, ob hierdurch gegebenenfalls der Versicherungsschutz nicht mehr gegeben war.

Vom Familienbesuch zur Arbeitsstätte

Das Landessozialgericht Sachsen-Anhalt hatte am 15.11.2006 über einen Fall zu entscheiden, bei dem eine Frau nach einem Familienbesuch einen Unfall hatte. Die Frau arbeitet in dem Ort, an dem sich auch ihre Wohnung befindet. Am Unfalltag fuhr sie jedoch von einem Besuch ihrer Familie, die etwa 250 Kilometer von ihrer Arbeitsstätte entfernt wohnt, zur Arbeitsstätte. Auf diesem Weg hatte sich der Unfall ereignet.

Die zuständige Berufsgenossenschaft lehnte es ab, den Unfall als Wegeunfall im Sinne der Gesetzlichen Unfallversicherung anzuerkennen. Die Frau klagte gegen die Entscheidung des Unfallversicherungsträgers, woraufhin das Landessozialgericht Sachsen-Anhalt die Leistungsablehnung überprüfen musste.

Wegerisiko muss angemessen sein

Mit Urteil vom 15.11.2006 hatte das Landessozialgericht Sachsen-Anhalt unter dem Aktenzeichen L 6 U 157/04 ausgeführt, dass grundsätzlich die Fahrten von und zur Familienwohnung gesetzlich unfallversichert sein können. Jedoch muss das Wegerisiko angemessen sein und ein innerer Zusammenhang zwischen der Fahrt und der Berufstätigkeit bestehen.

Das Wegerisiko ist nach dem Urteil des Landessozialgerichts dann noch angemessen, wenn es das Zehnfache der üblichen Wegstrecke zur bzw. von der Arbeitsstätte nicht übersteigt.

In dem Klagefall schlossen sich die Richter der Auffassung des Unfallversicherungsträgers an. Ihre Entscheidung begründeten sie damit, dass „der Umweg“ hauptsächlich von eigenwirtschaftlichen Interessen geprägt war. Daran ändert sich auch nichts, dass sie von dem Familienbesuch direkt ihre Arbeitsstätte aufsuchte. Aufgrund der Entfernung von 250 Kilometern, die sie zu ihrer Arbeitsstätte zurückzulegen hatte, war auch nicht mehr das Wegerisiko angemessen. Die erforderliche Nähe zur Arbeitsstätte war nicht mehr gegeben, so dass der Unfallversicherungsschutz ausgeschlossen war. Nach Ansicht der Richter wurde die Fahrt – insgesamt betrachtet – durch eigenwirtschaftliche Interessen geprägt, da der Besuch der Verwandtschaft im Vordergrund stand.

Hinweis

In dem Urteil des Landessozialgerichts Sachsen-Anhalt vom 15.11.2006 wurde lediglich über den Einzelfall entschieden. Jeder Unfall muss individuell beurteilt werden, ob ein gesetzlicher Unfallversicherungsschutz vorliegt oder ausgeschlossen ist. Wurde seitens des Unfallversicherungsträgers das Vorliegen eines Wegeunfalls bzw. Arbeitsunfalls verneint, mandatieren Sie einen registrierten Rentenberater. Die für die Gesetzliche Unfallversicherung zugelassenen Rentenberater stehen für alle Fragen zu diesem Sozialversicherungszweig kompetent zur Verfügung und können auch kompetent Widerspruchsverfahren und als Prozessagenten Klageverfahren vor den Sozial- und Landessozialgerichten durchführen.

Kontakt zum Rentenberater…

Das Landessozialgericht Sachsen-Anhalt hatte am 15.11.2006 noch über einen weiteren Fall zu entscheiden, ob ein Wegeunfall vorliegt. In diesem Fall wurde das Vorliegen eines Wegeunfalls bestätigt, obwohl der Kläger einen Umweg gefahren ist. Näheres können Sie unter: Wegeunfall trotz Umweg nachlesen.

Weitere Artikel zum Thema:

Weitere Artikel

Rentenberatung

Befristung von Pflegeleistungen

Leistungsbescheide können von Pflegekasse befristet werden Seit der Umsetzung der letzten Pflegereform (Pflege-Weiterentwicklungsgesetz), welche zum 01.07.2008 in Kraft getreten ist,...

Rentenberatung

weiterlesen

Krankengelddynamisierung

Krankengeld wird erhöht Der Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung sieht die Leistung von Krankengeld vor, wenn ein Versicherter aufgrund einer Krankheit...

Rentenberatung

weiterlesen

Witwenrente und Witwerrente nach vorletzten Ehegatten

Die Witwen- und Witwerrente nach dem vorletzten Ehegatten Verstirbt ein Ehegatte, haben die Witwen- bzw. Witwer grundsätzlich einen Anspruch auf...

Rentenberatung

weiterlesen
100%
-
+
1
Show options

Rentenberater

Registrierte Rentenberater

Registrierte Rentenberater sind für ihre Kunden da Vor mehr als einem halben Jahrhundert hat sich der Berufsstand des Rentenberaters gegründet...

Rentenberater

weiterlesen

Berufsstand und Tätigkeitsprofil eines Rentenberater

Der Berufsstand des Rentenberaters Der Berufsstand des Rentenberaters etablierte sich in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts und somit erst...

Rentenberater

weiterlesen

Der Rentenberater

Der Rentenberater Rentenberater sind seit ungefähr 50 Jahren ein wichtiger Bestandteil der Rechtspflege. Das Amts- bzw. Landgericht prüft vor Zulassung...

Rentenberater

weiterlesen
100%
-
+
1
Show options

Rentenversicherung

Hoher Bundeszuschuss für Rentenversicherung

Bundeshaushalt 2011 und Rentenleistungen Der Beitragssatz zur Gesetzlichen Rentenversicherung beträgt derzeit 19,9 Prozentpunkte. Doch die Beiträge, welche von den Arbeitnehmern,...

Rentenversicherung

weiterlesen

Ausbildung bei Strafgefangenen wird nicht anerkannt

Keine höhere Rente bei einem Studium im Gefängnis Absolviert ein Versicherter der Gesetzlichen Rentenversicherung eine Ausbildung, wird die Ausbildungszeit grundsätzlich...

Rentenversicherung

weiterlesen

Rentenabschläge werden oft in Kauf genommen

Viele Rentner nehmen Rentenabschläge in Kauf Nimmt ein Versicherter die Altersrente zum regulären Rentenbeginn in Anspruch, wird diese in voller...

Rentenversicherung

weiterlesen

Renteneinschnitte bei Arbeitslosengeld II-Bezieher

Langzeitarbeitslose bekommen weniger Rente Im Rahmen eines Sparpaketes, welches die Bundesregierung aktuell ausarbeitet, sollen bis zum Jahr 2014 die Ausgaben...

Rentenversicherung

weiterlesen

Keine Berufsunfähigkeit bei zulässiger Verweisung

Anspruch auf EM-Rente besteht nicht bei zulässiger Verweisung Für Versicherte, die vor dem 02.01.1961 geboren wurden, kann von der Gesetzlichen...

Rentenversicherung

weiterlesen

Krankenversicherung

Ausländisches Attest und Arbeitsunfähigkeit

Mit ausländischem Attest wird nicht immer Arbeitsunfähigkeit nachgewiesen Erkrankt ein Arbeitnehmer im Ausland, muss die Arbeitsunfähigkeit über ein aussagekräftiges Attest...

Krankenversicherung

weiterlesen

Krankenkassenbeitrag 2011

Kassenbeitrag wird auf 15,5 Prozent erhöht Ab dem 01.01.2011 wird der Beitragssatz zur Gesetzlichen Krankenversicherung von derzeit 14,9 Prozent auf...

Krankenversicherung

weiterlesen

Höhere Krankengeldausgaben 2009

Krankengeldausgaben sind im Jahr 2009 deutlich gestiegen Krankengeld ist eine wichtige Leistung der Gesetzlichen Krankenversicherung. Arbeitsunfähige Mitglieder bekommen durch das...

Krankenversicherung

weiterlesen

Kostenübernahme Implantat-Reinigung

Krankenkasse muss Implantat-Reinigung übernehmen Nach einem Urteil des Landessozialgerichts Rheinland-Pfalz muss eine gesetzliche Krankenkasse die Kosten für eine Implantat-Reinigung übernehmen....

Krankenversicherung

weiterlesen

Hilfsmittel, Wartungskosten

Wartungskosten müssen von Krankenkasse getragen werden Mit Urteil vom 10.03.2010 hat das Bundessozialgericht unter dem Aktenzeichen B 3 KR 1/09...

Krankenversicherung

weiterlesen

Pflegeversicherung

Beratungseinsätze

Die Pflegeinsätze von Pflegegeldbeziehern Pflegebedürftige, die von ihrer Pflegekasse ausschließlich Pflegegeld beziehen, sind nach den gesetzlichen Vorschriften dazu verpflichtet, einen...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Aufteilung Pflegezeit nicht möglich

Pflegezeit kann nicht „gestückelt“ werden Seit Juli 2008 haben Beschäftigte die Möglichkeit, sich von der Arbeit befreien zu lassen, um...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Berechnung Pflegezeit

Nur Verrichtungen werden auf volle Minuten gerundet In der Sozialen Pflegeversicherung werden für die Versicherten die Pflegestufen danach vergeben, in...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Budgets in der Sozialen Pflegeversicherung

Modellvorhaben ist gestartet Der Bundestag hatte bereits im Jahr 2008 einen Beschluss gefasst, trägerübergreifende Budgets in der Sozialen Pflegeversicherung zu...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Milliardenüberschuss in Pflegekasse

Soziale Pflegeversicherung 2009 mit Milliardenüberschuss Positive Nachrichten gab es im Zusammenhang mit den Finanzen der Sozialen Pflegeversicherung zu verkünden. Das...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Unfallversicherung

Verheben kein Arbeitsunfall

Bandscheibenvorfall nach Anheben der Leiter Ein gesetzlicher Arbeitsunfall liegt nicht vor, wenn ein Maler eine Leiter trägt und dabei einen...

Unfallversicherung

weiterlesen

Getränk holen war nicht unfallversichert

Beschaffen von Getränken und der gesetzliche UV-Schutz Werden von einem Beschäftigten während der Arbeitszeit Nahrungsmittel oder Getränke besorgt bzw. diese...

Unfallversicherung

weiterlesen

Nach ausgeheiltem Arbeitsunfall keine Unfallrente

Keine Verletztenrente nach ausgeheiltem Arbeitsunfall Versicherte der Gesetzlichen Unfallversicherung haben einen Anspruch auf eine Unfallrente, auch Verletztenrente genannt, wenn die...

Unfallversicherung

weiterlesen

Kein Wegeunfall bei langen Pausen

Lange Pausen schließen gesetzlichen Unfallversicherungsschutz aus Vom gesetzlichen Unfallversicherungsschutz werden auch die Wege vom häuslichen Bereich an den Ort der...

Unfallversicherung

weiterlesen

Faschingsfußballturnier nicht unfallversichert

Kein Arbeitsunfall bei Faschingsfußballturnier Vom gesetzlichen Unfallversicherungsschutz werden grundsätzlich Firmenfeste und Betriebsausflüge erfasst. Das heißt, dass ein Unfall, der sich...

Unfallversicherung

weiterlesen