Berufsgenossenschaft bezweifelte abhängiges Beschäftigungsverhältnis

Bereits im Oktober 2000 hatte ein Geschäftsführer einer GmbH einen Unfall erlitten, aufgrund dessen er dauerhafte gesundheitliche Schäden davon trägt. Nachdem er bei der zuständigen Berufsgenossenschaft eine Verletztenrente beantragt hatte, wurde zunächst das Vorliegen einer sozialversicherungsrechtlichen Beschäftigung geprüft. Der Unfallversicherungsträger forderte, dass keine selbstständige Tätigkeit vorliegt; liegt diese vor, hätte der Geschäftsführer auch keinen Anspruch auf die beantragte Rente.

Statusfeststellungsverfahren beantragt

Der Geschäftsführer beantragte bei seiner Krankenkasse die Feststellung des Statusfeststellungsverfahrens, also die Feststellung, ob eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vorliegt oder seine Tätigkeit als eine hauptberuflich selbstständige Tätigkeit anzusehen ist.

Bisher war der Geschäftsführer bei seiner Krankenkasse freiwillig krankenversichert, da er mit seinem Verdienst die Beitragsbemessungsgrenze überschreitet. In seinem Fall wurde also davon ausgegangen, dass der grundsätzlich in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis steht.

Geschäftsführer einer Dachgesellschaft

Der Versicherte war Geschäftsführer einer Dachgesellschaft, an der zwei GmbH-Gesellschaften (Gesellschaften mit beschränkter Haftung) beteiligt waren. In der Dachgesellschaft konnten laut dem Gesellschaftervertrag Beschlüsse mit einfacher Mehrheit gefasst werden.

Der Geschäftsführer war jedoch zugleich auch an einer der beiden GmbHs mit 50 Prozent beteiligt. In dieser GmbH konnten Beschlüsse mit einer Mehrheit von 75 Prozent gefasst werden.

Im beantragten Statusfeststellungsverfahren wurde entschieden, dass der Geschäftsführer nicht als abhängig Beschäftigter anzusehen ist und als hauptberuflich Selbstständiger gilt. Mit dieser Entscheidung gab sich der Geschäftsführer nicht einverstanden und klagte zunächst beim Sozialgericht Oldenburg. Nachdem die Klage für ihn erfolgreich verlief, ging die Krankenkasse in Berufung, woraufhin das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen über den Fall entscheiden musste.

Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen

Mit Urteil vom 17.09.2008 (Az. L 4 KR 297/06) gab das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen der Krankenkasse in ihrer Entscheidung Recht, dass der Geschäftsführer als hauptberuflich Selbstständiger anzusehen ist und ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis nicht vorliegt.

Nur dann, wenn eine persönliche Abhängigkeit gegenüber dem Arbeitgeber besteht, liegt ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis im sozialversicherungsrechtlichen Sinne vor. Wesentliche Merkmale für ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis sind, dass der Arbeitnehmer nicht frei über die Dauer, die Zeit, den Ort und die Art der Tätigkeit bestimmen kann und in einem fremden Betrieb eingegliedert ist. Zu dieser Problematik hat das Bundessozialgericht bereits in zahlreichen Fällen entschieden, worauf sich das LSG in seinem Urteil bezog.

Ein Selbstständiger hingegen kann über seine Arbeitskraft und seine auszuübende Tätigkeit frei verfügen und entscheiden.

Eine pauschale Beurteilung ist in derartigen Fällen, in denen einiges für ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis wie auch für eine Selbstständigkeit spricht, nie möglich. Relevant sind immer die tatsächlichen Verhältnisse und das Gesamtbild. In dem zu beurteilenden Fall des GmbH-Geschäftsführers lag für die Richter eindeutig eine hauptberufliche Selbstständigkeit vor, da er einen maßgeblichen Einfluss auf die Gesellschaft ausüben konnte.

Sperrminorität gegeben

Wie das Landessozialgericht in seinem Urteil ausführte, hat der Geschäftsführer die so genannte Sperrminorität. Das bedeutet, dass er mit seiner Beteiligung an der GmbH aufgrund der Gesellschafterverträge Beschlüsse verhindern kann. In der GmbH, in der er direkt beteiligt ist, können Beschlüsse nur mit einer 75 Prozent-Mehrheit der Stimmen gefasst werden. Das bedeutet, dass bei einer Nicht-Zustimmung des Klägers in dieser GmbH Beschlüsse verhindert werden bzw. nicht gefasst werden können. In der Folge hat er direkten Einfluss auf die Dachgesellschaft, da dort – an der die GmbH, in der der Kläger die Sperrminorität hat – Beschlüsse mit einfacher Mehrheit gefasst werden können. Also auch hier könnten durch die vorhandene Sperrminorität die Beschlüsse verhindert werden.

Mit der vorhandenen Sperrminorität des Klägers auf die Dachgesellschaft hatte er direkten Einfluss auf deren Geschicke, in der er als Geschäftsführer tätig war. Daher lag eine hauptberufliche Selbstständigkeit und kein abhängiges Beschäftigungsverhältnis vor.

Fazit

Ein Geschäftsführer einer GmbH kann durchaus auch gleichzeitig ein Gesellschafter dieser GmbH sein. Hat der Geschäftsführer jedoch aufgrund seiner Beteiligung in der GmbH einen so maßgeblichen Einfluss, dass er die Geschicke der Gesellschaft beeinflussen kann, liegt kein sozialversicherungsrechtliches Beschäftigungsverhältnis, sondern eine hauptberufliche Selbstständigkeit vor. Die entschied auch das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen in einem Urteil unter dem Aktenzeichen L 4 KR 297/06.

Weitere Artikel zum Thema:

Weitere Artikel

Rentenberatung

Krankengeldberechnung bei Selbstständigen

Berechnung Krankengeld bei freiwillig versicherten Selbstständigen Selbstständige unterliegen in der Gesetzlichen Krankenversicherung nicht der Versicherungspflicht. Dieser Personenkreis hat die Möglichkeit,...

Rentenberatung

weiterlesen

Krankenversicherungsfreiheit höher verdienender Arbeitnehmer

Krankenversicherungsfreiheit aufgrund hohen Einkommens Arbeitnehmer sind grundsätzlich aufgrund Ihrer Beschäftigung gegen Arbeitsentgelt in der Gesetzlichen Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung...

Rentenberatung

weiterlesen

Beitragsberechnung bei mehrfachbeschäftigten Arbeitnehmern

Änderungen in der Beitragsberechnung ab Januar 2012 Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte müssen die Beiträge maximal aus einem Arbeitsentgelt in Höhe der Beitragsbemessungsgrenze...

Rentenberatung

weiterlesen
100%
-
+
1
Show options

Rentenberater

Registrierte Rentenberater

Registrierte Rentenberater sind für ihre Kunden da Vor mehr als einem halben Jahrhundert hat sich der Berufsstand des Rentenberaters gegründet...

Rentenberater

weiterlesen

Berufsstand und Tätigkeitsprofil eines Rentenberater

Der Berufsstand des Rentenberaters Der Berufsstand des Rentenberaters etablierte sich in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts und somit erst...

Rentenberater

weiterlesen

Der Rentenberater

Der Rentenberater Rentenberater sind seit ungefähr 50 Jahren ein wichtiger Bestandteil der Rechtspflege. Das Amts- bzw. Landgericht prüft vor Zulassung...

Rentenberater

weiterlesen
100%
-
+
1
Show options

Rentenversicherung

Abfindung Hinterbliebenenrente bei Hochzeit

Witwen-/Witwerrenten werden abgefunden mit bis zu zwei Jahresrenten Das Rentenrecht sieht für hinterbliebene Ehegatten bzw. eingetragene Lebenspartner die Zahlung von...

Rentenversicherung

weiterlesen

Deutliche Rentenerhöhung 2012

Erwartet wird eine deutliche Rentenerhöhung zum 01.07.2012 Die Schätzungen der Deutschen Rentenversicherung, was die Rentenerhöhungen im Jahr 2012 anbelangt, können...

Rentenversicherung

weiterlesen

Keine Kürzung bei Witwenrenten

Anspruchsvoraussetzungen Witwenrenten werden nicht geändert Die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (kurz: BDA) hatte kürzlich gefordert, dass mit den Anspruchsvoraussetzungen der Witwenrenten...

Rentenversicherung

weiterlesen

Rentenansprüche bei Bezug Arbeitslosengeld

Rentenversicherungsbeiträge: Unterscheidung zwischen ALG I und ALG II Oftmals stellen sich Bezieher von Arbeitslosengeld die Frage, welche Rentenversicherungsbeiträge seitens der...

Rentenversicherung

weiterlesen

17tägige Ehe schließt Witwenrente aus

Versorgungsehe konnte durch Klägerin nicht widerlegt werden Das Leistungsrecht der Gesetzlichen Rentenversicherung sieht vor, dass Versicherte einen Anspruch auf eine...

Rentenversicherung

weiterlesen

Krankenversicherung

Internetportal zu Individuellen Gesundheitsleistungen

Bewertung von Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) Die überwiegende Mehrheit der Patienten hat vom behandelnden Arzt bereits Gesundheitsleistungen angeboten bekommen, für die...

Krankenversicherung

weiterlesen

Kein Kassenbeitrag auf Pflegeleistungen

BSG-Urteil vom 21.12.2011, Az.: B 12 KR 22/09 R Nach einem aktuellen Urteil des Bundessozialgerichts (vgl. Bundessozialgericht, Az. B 12...

Krankenversicherung

weiterlesen

Krankenkasse zu Magenverkleinerung verurteilt

LSG Rheinland Pfalz vom 13.10.2011, Az. L 5 KR 12/11 Nach einem aktuellen Urteil des Landessozialgerichts (kurz: LSG) Rheinland-Pfalz, mit...

Krankenversicherung

weiterlesen

Eintritt in die PKV – so früh wie möglich

Die meisten Personen möchten sich frühzeitig noch keine Gedanken darüber machen, was passiert, wenn sie einmal alt sind. Doch wenn...

Krankenversicherung

weiterlesen

Gleitzonenjobs, neuer Berechnungsfaktor 2012

Neuer Berechnungsfaktor für Beitragsberechnung Midijobs Grundsätzlich werden bei versicherungspflichtig Beschäftigten die Beiträge zu den einzelnen Zweigen der Sozialversicherung (Kranken-, Pflege-,...

Krankenversicherung

weiterlesen

Pflegeversicherung

Eckpunkte Pflegereform 2013

Geplante Verbesserungen Pflegeleistungen 2013 Bereits im November 2011 wurde beschlossen, dass der Beitragssatz zur Sozialen Pflegeversicherung für die Zeit ab...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Altersgerechtes Wohnen, Umbaumaßnahmen finanzieren

Als Senior kommt garantiert irgendwann jeder an den Punkt, an dem man seine Wohnung oder sein Haus nicht mehr wie...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Beitragssatz Pflegeversicherung 2012

News image

Beitragssatz Soziale Pflegeversicherung bleibt 2012 stabil Bereits seit dem 01.07.2008 liegt der Beitragssatz in der Sozialen Pflegeversicherung bei 1,95 Prozentpunkten....

Pflegeversicherung

weiterlesen

Familienpflegezeit

Flexible Arbeitszeit nach dem Familienpflegezeitgesetz ab 2012 Schon seit Juli 2008 haben Beschäftigte die Möglichkeit, sich für die Pflege von...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Rentenversicherungspflicht Pflegepersonen 2012

Beitragszahlungen erhöhen sich nur in alten Bundesländern Pflegepersonen, die einen Pflegebedürftigen nicht erwerbsmäßig pflegen, können in der Gesetzlichen Rentenversicherung versicherungspflichtig...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Unfallversicherung

Mord ist kein Arbeitsunfall

Landessozialgericht verneint Anspruch auf Witwenrente Wird jemand bei einer betriebsbedingten Autofahrt ermordet und steht der Tod nicht im Zusammenhang mit...

Unfallversicherung

weiterlesen

Kein UV-Schutz für geringfügige Hilfeleistungen

Urteil Hessisches Landessozialgericht vom 28.06.2011, Az. L 3 U 134/09 Beschäftigte sind während ihrer beruflichen Tätigkeit gesetzlich unfallversichert. Ereignet sich...

Unfallversicherung

weiterlesen

Illegale Beschäftigung und UV-Schutz

Unfallversicherungsschutz trotz illegaler Beschäftigung Der 9. Senat des Hessischen Landessozialgerichtes (LSG) hat jetzt ein Urteil zur Unfallversicherung von abhängig Beschäftigten...

Unfallversicherung

weiterlesen

Unfallversicherungsschutz Kinder in Tageseinrichtungen

Bundessozialgericht vom 18.01.2011, Az. B 2 U 15/10 R In einem Urteil vom 18.01.2011 kommt das Bundessozialgericht unter dem Aktenzeichen...

Unfallversicherung

weiterlesen

Abschiedsfeier verlängert Arbeitszeit nicht

Arbeitsunfall lag nach betrieblicher Abschiedsfeier nicht vor Nimmt ein Arbeitnehmer am letzten Arbeitstag an einer vom Arbeitgeber veranstalteten Abschiedsfeier teil...

Unfallversicherung

weiterlesen