Bundessozialgericht sieht Deckenlifter als Hilfsmittel an

Die Leistungen der Gesetzlichen Pflegeversicherung sind danach ausgelegt, dass die häusliche Pflege so lange wie möglich sichergestellt werden kann bzw. den Betroffenen entsprechende Anreize gegeben werden, die vollstationäre Pflege zu umgehen.

Bei der Inanspruchnahme der ambulanten Pflege können beispielsweise die Leistungen Pflegegeld, Pflegesachleistung oder die Kombinationsleistung (Kombination von Pflegegeld und Pflegesachleistung) gewährt werden. Pflegepersonen erhalten unter Umständen später eine höhere Rente, weil die Pflegeversicherung aufgrund der Pflegetätigkeit Rentenversicherungsbeiträge zahlt. Während der Pflegetätigkeit ist eine ehrenamtliche Pflegeperson gesetzlich unfallversichert.

Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen und Hilfsmittel

Sind die Wohnräume für die Pflege nicht geeignet, weil z. B. die Treppen vom Pflegebedürftigen nicht überwunden werden können, die Türen zu schmal sind, um mit einem Rollator oder Rollstuhl durchzufahren oder das Bad entsprechende Barrieren darstellt, können technische Hilfsmittel gewährt werden. Aber auch für Maßnahmen der Wohnumfeldverbesserungen kann sich die Pflegekasse, wenn die Erforderlichkeit besteht, mit einem Betrag von bis zu 2.557 Euro beteiligen.

Teilweise ist es in der Praxis jedoch schwierig, eine genaue Abgrenzung zwischen einem technischen Hilfsmittel und einer wohnumfeldverbessernden Maßnahme zu treffen. Und genau diese Abgrenzung hat für die Betroffenen eine hohe Bedeutung, da die finanziellen Zuschüsse zu diesen Leistungen äußerst unterschiedlich sind.

Bei einem technischen Hilfsmittel werden im Regelfall die Kosten von der Pflegekasse voll übernommen. Der Eigenanteil (die Zuzahlung) liegt „nur“ bei 10 Prozent der Kosten, maximal jedoch bei 25 Euro pro Hilfsmittel. Bei Wohnumfeldverbesserungen beträgt der Eigenanteil grundsätzlich 10 Prozent der Kosten, maximal 50 Prozent des Einkommens (s. auch: Geringere Zuzahlung bei Wohnumfeldverbesserung). Der maximale Zuschuss ist auf 2.557 Euro je Maßnahme begrenzt. Hinzu kommt noch, dass der Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen grundsätzlich nur einmal gewährt wird. Sind mehrere technische Hilfsmittel erforderlich, kann von der Pflegekasse mehr als ein Hilfsmittel übernommen werden.

Während manche Punkte eindeutig der Wohnumfeldverbesserung zuzuordnen sind (z. B. Bau einer Rampe, Verbreiterung einer Türe), weil diese einen Eingriff in die Bausubstanz erfordern, können andere eindeutig als Hilfsmittel gesehen werden. Hilfsmittel sind beispielsweise Badewannenlifter, Notrufsysteme und Pflegebetten.

Urteil des Bundessozialgerichts vom 12.08.2009

Das Bundessozialgericht musste mit Urteil vom 12.08.2009 (Az. B 3 P 4/08 R) entscheiden, ob ein Deckenlifter ein technisches Hilfsmittel oder eine Maßnahme der Wohnumfeldverbesserung darstellt.

Die zuständige Pflegekasse sah bei einem Deckenlifter die Voraussetzungen einer Wohnumfeldverbesserung an. Daher wurde für einen 16jährigen Jungen, der in die Pflegestufe III eingestuft wurde, der Antrag auf den Deckenlifter abgelehnt, weil bereits der Anspruch auf Wohnumfeldverbesserung durch andere Maßnahmen „aufgebraucht“ wurde. Schon im Jahr 2003 wurde ein Treppenlift als wohnumfeldverbessernde Maßnahme mit einem Betrag von 2.557 Euro von der Pflegekasse bezuschusst.

Der Kläger, der von seinen Eltern vertreten wurde, sah in dem Deckenlift jedoch keine Maßnahme der Wohnumfeldverbesserung, sondern ein technisches Hilfsmittel. Dabei argumentierten sie, dass der Deckenlift kein fester Bestandteil der Wohnung wurde, da dieser lediglich mit einigen Dübeln und Schrauben montiert wurde. Der Treppenlift hingegen wurde fester Bestandteil der Wohnung.

Das Bundessozialgericht schloss sich in seinem Urteil vom 12.08.2009 der Auffassung des Klägers an. Die Richter argumentierten, dass die Deckenliftanlage zur Montage keinen „wesentlichen“ Eingriff in die Bausubstanz erfordert. Auch aus zeitlicher Sicht erfordert der Einbau und die Anpassung eines Deckenlifters nicht, dass dieser dauerhaft in der Wohnung des Pflegebedürftigen verbleiben müsse.

Mit dem Urteil sprach das Bundessozialgericht dem Kläger damit einen Anspruch auf die Kosten im Rahmen der Hilfsmittelgewährung zu. Die von dem Kläger beantragte Deckenliftanlage kostet 6.244,10 Euro. Diese Dimension zeigt, dass es für die Versicherten eine enorme finanzielle Bedeutung hat, ob eine Veränderung in der Wohnung eines Pflegebedürftigen als Wohnumfeldverbesserung oder als Hilfsmittel eingestuft wird.

Weitere Artikel zum Thema:

Weitere Artikel

Rentenberatung

Rentenbeginn

Beginn von Renten der Gesetzlichen Rentenversicherung Besteht ein Anspruch auf eine Rente der Gesetzlichen Rentenversicherung, muss seitens des Rentenversicherungsträgers geprüft...

Rentenberatung

weiterlesen

Arbeitsmarktrente

Arbeitsmarktrente, die besondere volle Erwerbsminderungsrente Die Arbeitsmarktrente ist eine besondere Rente, welche von der Gesetzlichen Rentenversicherung im Falle einer Erwerbsminderung...

Rentenberatung

weiterlesen

Reisekosten (GRV)

Fahrkosten/Transportkosten von der Gesetzlichen Rentenversicherung Nimmt ein Versicherter zu Lasten der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) eine medizinische Rehabilitationsbehandlung oder eine Leistung...

Rentenberatung

weiterlesen
100%
-
+
1
Show options

Rentenberater

Registrierte Rentenberater

Registrierte Rentenberater sind für ihre Kunden da Vor mehr als einem halben Jahrhundert hat sich der Berufsstand des Rentenberaters gegründet...

Rentenberater

weiterlesen

Berufsstand und Tätigkeitsprofil eines Rentenberater

Der Berufsstand des Rentenberaters Der Berufsstand des Rentenberaters etablierte sich in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts und somit erst...

Rentenberater

weiterlesen

Der Rentenberater

Der Rentenberater Rentenberater sind seit ungefähr 50 Jahren ein wichtiger Bestandteil der Rechtspflege. Das Amts- bzw. Landgericht prüft vor Zulassung...

Rentenberater

weiterlesen
100%
-
+
1
Show options

Rentenversicherung

Rentenversicherungspflicht von selbstständigen Logopäden

Versicherungspflicht kann ab 01.04.2012 bestehen In der Gesetzlichen Rentenversicherung unterliegen auch Selbstständige teilweise der Versicherungspflicht. So werden nach § 2...

Rentenversicherung

weiterlesen

Seniorenstudium keine Anrechnungszeit

Seniorenstudium wird nicht als rentenrechtliche Anrechnungszeit gewertet Bei der Berechnung einer Rente werden in erster Linie die Beitragszeiten gewertet. Das...

Rentenversicherung

weiterlesen

Jahresmeldungen 2011 prüfen

Jahresmeldung für Rentenkonto wichtig! Spätestens bis zum 30.04.2012 müssen die Arbeitgeber die Jahresmeldung für das Jahr 2011 abgeben. Die Meldung...

Rentenversicherung

weiterlesen

Handwerker-Pflichtversicherung soll abgeschafft werden

Bald keine Rentenversicherungspflicht selbstständiger Handwerker mehr Selbstständige Handwerker sind nach der aktuellen Gesetzeslage in der Gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Konkret bedeutet...

Rentenversicherung

weiterlesen

Rentenerhöhung 2012

Kräftige Rentenerhöhung zum 01.07.2012 Die mehr als 20 Millionen Rentenbezieher dürfen sich auf eine kräftige Rentenerhöhung zum 01.07.2012 freuen. Die...

Rentenversicherung

weiterlesen

Krankenversicherung

Keine Spitzenmedizin um jeden Preis

Keine Kostenübernahme spezieller Krebsdiagnostik im Ausland Die Gesetzliche Krankenversicherung muss nicht für die Diagnostik und Krankenbehandlung aufkommen, die der Spitzenmedizin...

Krankenversicherung

weiterlesen

Freiwilliger Wehrdienst und die Sozialversicherung

Sozialversicherungsrechtliche Auswirkung des freiwilligen Wehrdienstes Zum 01.07.2011 wurde der Bundesfreiwilligendienst eingeführt. Zeitgleich wurde die bis dahin bestehende Wehrpflicht ausgesetzt. Der...

Krankenversicherung

weiterlesen

Fettabsaugung nicht auf Kassenkosten

Liposuktion darf Krankenkasse nicht übernehmen Bei einer Fettabsaugung, einer sogenannten Liposuktion, handelt es sich um eine neue Untersuchungs- und Behandlungsmethode....

Krankenversicherung

weiterlesen

Nationaler Krebsplan macht Fortschritte

Bekämpfung der Krankheit Krebs Mit über 218.000 Todesfällen pro Jahr ist Krebs die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Jahr für Jahr...

Krankenversicherung

weiterlesen

Arbeitsunfähig auch bei Besuch des Fitnessstudios

Landesarbeitsgericht Köln vom 02.11.2011, S 9 SA 1581/10 Arbeitnehmer haben im Falle einer Arbeitsunfähigkeit gegenüber dem Arbeitgeber einen Entgeltfortzahlungsanspruch für...

Krankenversicherung

weiterlesen

Pflegeversicherung

Eckpunkte Pflegereform 2013

Geplante Verbesserungen Pflegeleistungen 2013 Bereits im November 2011 wurde beschlossen, dass der Beitragssatz zur Sozialen Pflegeversicherung für die Zeit ab...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Altersgerechtes Wohnen, Umbaumaßnahmen finanzieren

Als Senior kommt garantiert irgendwann jeder an den Punkt, an dem man seine Wohnung oder sein Haus nicht mehr wie...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Beitragssatz Pflegeversicherung 2012

News image

Beitragssatz Soziale Pflegeversicherung bleibt 2012 stabil Bereits seit dem 01.07.2008 liegt der Beitragssatz in der Sozialen Pflegeversicherung bei 1,95 Prozentpunkten....

Pflegeversicherung

weiterlesen

Familienpflegezeit

Flexible Arbeitszeit nach dem Familienpflegezeitgesetz ab 2012 Schon seit Juli 2008 haben Beschäftigte die Möglichkeit, sich für die Pflege von...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Rentenversicherungspflicht Pflegepersonen 2012

Beitragszahlungen erhöhen sich nur in alten Bundesländern Pflegepersonen, die einen Pflegebedürftigen nicht erwerbsmäßig pflegen, können in der Gesetzlichen Rentenversicherung versicherungspflichtig...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Unfallversicherung

Entfernung gefährdender Gegenstand von Autobahn ist unfallversichert

Bundessozialgericht vom 27.03.2012, Az. B 2 U 7/11 R Unter dem gesetzlichen Unfallversicherungsschutz stehen nicht nur Arbeitnehmer während ihrer beruflichen...

Unfallversicherung

weiterlesen

Beinahe-Unfall kann Arbeitsunfall sein

Beinahe-Unfall kann grundsätzlich gesetzlicher Arbeitsunfall sein In seinen Urteilen vom 29.11.2011 (Az. B 2 U 10/11 R und B 2...

Unfallversicherung

weiterlesen

Pause war ohne gesetzlichen Unfallversicherungsschutz

Urteil Bayerisches Landessozialgericht vom 25.10.2011, Az. L 3 U 52/11 Mit Urteil vom 25.10.2011 entschied das Bayerische Landessozialgericht über die...

Unfallversicherung

weiterlesen

Mord ist kein Arbeitsunfall

Landessozialgericht verneint Anspruch auf Witwenrente Wird jemand bei einer betriebsbedingten Autofahrt ermordet und steht der Tod nicht im Zusammenhang mit...

Unfallversicherung

weiterlesen

Kein UV-Schutz für geringfügige Hilfeleistungen

Urteil Hessisches Landessozialgericht vom 28.06.2011, Az. L 3 U 134/09 Beschäftigte sind während ihrer beruflichen Tätigkeit gesetzlich unfallversichert. Ereignet sich...

Unfallversicherung

weiterlesen