Hinweis

Am 07.07.2010 hat die Bundesregierung die Eckpunkte beschlossen, die zum 01.01.2011 im Rahmen der Gesundheitsreform umgesetzt werden soll. Diese können unter: Gesundheitsreform 2011 nachgelesen werden.


Neue Regierung plant umfassende Änderungen

Der Koalitionsvertrag und die neu gewählte schwarz-gelbe Bundesregierung stehen. Insgesamt befassen sich neun Seiten des 124 Seiten umfassenden Koalitionsvertrages mit dem Thema Gesundheit und enthalten Eckpunkte, wie das Gesundheitssystem in der kommenden Legislaturperiode umgestaltet werden soll. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die neue Regierung tiefgreifende Änderungen im Gesundheitssystem plant und eine radikale Gesundheitsreform im Jahr 2011 durchsetzen will.

2010 ohne große Änderungen

Im kommenden Jahr möchte die Regierung vorerst noch keine Änderungen im bestehenden Gesundheitssystem umsetzen. So wird im Jahr 2010 weiterhin am derzeitigen Gesundheitsfonds festgehalten. Das berechnete Defizit im Gesundheitssystem (s. auch: Finanzloch bei Krankenkassen) soll durch Steuerzuschüsse in der Größenordnung von rund vier Milliarden Euro gestopft werden. Weitere 3,5 Milliarden Euro sollen die Krankenkassen durch die Erhebung von Zusatzbeiträgen einholen.

Zusatzbeiträge müssen von einer Krankenkasse dann erhoben werden, wenn die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds nicht ausreichend sind. Die Zusatzbeiträge dürfen maximal ein Prozent der Brutto-Einnahmen betragen. Auch daran soll sich im nächsten Jahr nichts ändern, auch wenn im Rahmen der Koalitionsgespräche angedacht war, dass die Kassen Zusatzbeiträge bis zu zwei Prozent erheben dürfen.

Der derzeitige allgemeine Beitragssatz von 14,9 Prozentpunkten wird auch im neuen Jahr gelten. An diesem Beitragssatz von 14,9 Prozent beteiligt sich der Arbeitgeber bzw. Rentenversicherungsträger mit 7,0 Prozent.

Die neue Regierung sieht den Weg in die Einheitskasse als falschen Weg, um die Herausforderungen im Gesundheitswesen in Zukunft zu bewältigen. Ebenso soll es kein staatlich zentralistisches Gesundheitssystem geben.

Änderungen im Jahr 2011

Im Koalitionsvertrag wurde kein genaues Datum festgelegt, ab wann die geplante Gesundheitsreform in Kraft treten soll. Einigkeit erzielte man dahingehend, dass die Umsetzung im Jahr 2011 erfolgen soll. Eine Regierungskommission wird damit beauftragt, die Einzelheiten der großen Gesundheitsreform auszuarbeiten. Daher beschränkten sich die Verantwortlichen vorerst auf Eckpunkte, die jedoch weiter präzisiert werden müssen.

Folgende Eckpunkte wurden durch Schwarz-Gelb festgeschrieben:

Einfrieren des Arbeitgeberanteils

Ab dem Jahr 2011 soll der Arbeitgeberanteil bei 7,0 Prozentpunkten „eingefroren“ werden. Das bedeutet, dass künftige Beitragssatzerhöhungen stets zu Lasten der Versicherten gehen. Damit wird sich die gesetzliche Krankenversicherung von ihrer solidarischen Finanzierung verabschieden. Ziel dieser Regelung ist es, die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen von den Lohnnebenkosten zu entkoppeln.

Die Krankenkassen sollen wieder mehr Beitragsautonomie erhalten. Dies soll dadurch geschehen, dass die Kassen eine beitragsunabhängige Arbeitnehmerpauschale verlangen müssen. Ein sozialer Ausgleich zwischen armen und reichen Krankenkassenmitgliedern soll dann über das Steuersystem gesteuert werden, in dem dann sämtliche Einnahmen berücksichtigt werden.

Ob es auch in Zukunft bei der kostenlosen Familienversicherung bleibt, ist derzeit noch unklar und wurde auch nicht im Koalitionsvertrag geregelt.

Private Krankenversicherung

Die Private Krankenversicherung (PKV), wie sie heute besteht, soll auch in Zukunft sowohl als Vollversicherung als auch als Zusatzversicherung erhalten bleiben. Allerdings wird es künftig eine klarere Abgrenzung der Zusatztarife der Privaten Krankenversicherung von den Wahltarifen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) geben.

Der Wechsel von der Gesetzlichen in die Private Krankenversicherung soll künftig wieder dann möglich sein, wenn die Jahresarbeitsentgeltgrenze einmal überschritten wird. Im Rahmen der letzten Gesundheitsreform, die in weiten Teilen zum 01.04.2007 in Kraft trat, wurde der Wechsel von der GKV in die PKV erschwert. Ein Wechsel ist derzeit nur dann möglich, wenn ein Arbeitnehmer drei Jahre in Folge die Jahresarbeitsentgeltgrenze mit seinem Arbeitsentgelt überschreitet.

Praxisgebühr

Aktuell beträgt die Praxisgebühr 10,00 Euro pro Quartal. Nach Ansicht der neuen Regierung hat die Praxisgebühr in der Vergangenheit nicht die Steuerungswirkung erreicht, die man sich mit der Einführung erhofft hatte. Im Koalitionsvertrag wird beschrieben, dass die Praxisgebühr in ein „unbürokratisches Erhebungsverfahren“ überführt werden soll. Das bedeutet, dass die Gebühr bei jedem Arztbesuch fällig wird. Dafür soll die neue „Eintrittsgebühr“ beim Arzt auf einen einstelligen Eurobetrag reduziert werden. Im Rahmen der Koalitionsgespräche war ein Betrag von 5,00 Euro im Gespräch.

Elektronische Gesundheitskarte

Die Einführung der Elektronischen Gesundheitskarte (eGK) wird vorerst aufgeschoben. Hier möchte die neue Bundesregierung eine umfassende Bestandsaufnahme anstreben und anschließend über das weitere Vorgehen entscheiden.

Apotheken und Arzneimittel

Die so genannten „Pick-up-Stellen“ für die Ausgabe von Arzneimitteln möchte die neue Bundesregierung wieder verbieten. Die Pick-up-Stellen gibt es beispielsweise in Drogeriemärkten, in denen Arzneimittel nach Abgabe des Rezeptes ausgegeben werden (s. hierzu auch: Vertrieb von Arzneimitteln durch Drogeriemärkte). Damit sollen „Auswüchse“ beim Versandhandel vermieden werden. Beim bestehenden Mehr- und Fremdbesitzverbot für Apotheken soll es keine Änderungen geben.

Künftig sollen bei Arzneimitteln die Kosten-Nutzen-Bewertungen zu eindeutigen und praktikablen Bewertungen führen.

Patientenschutzgesetz

Ein Patientenschutzgesetz soll eingeführt werden, welches Versicherte in die Lage versetzt, gegenüber den Leistungserbringern und Krankenkassen ihre Rechte möglichst selbstständig durchzusetzen.

Selbstverwaltung der Krankenkassen

Die Selbstverwaltung aller Krankenkassen soll in Zukunft stets aus Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern bestehen. Dies ist aktuell nur bei den so genannten RVO-Kassen (AOK, IKK, BKK) der Fall. Die Ersatzkassen hatten aufgrund ihrer Historie lediglich Versichertenvertreter. Daher müssen nach den derzeitigen Planungen bei den Ersatzkassen, wie Barmer, DAK, GEK usw., Arbeitgebervertreter in die Selbstverwaltung gewählt werden.

Der Aufgabenbereich des Spitzenverband Bund der Krankenkassen soll sich nach den Vorstellungen von Schwarz-Gelb auf die Bereiche konzentrieren, die von den Krankenkassen einheitlich und gemeinsam durchgeführt werden müssen.

Honorarreform Ärztehonorar

Bezüglich des Ärztehonorars soll es eine Honorarreform geben, die die Vergütung nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft vorsieht. Die Honorarreform wird für Ärzte und Zahnärzte angestrebt. Den vorherzusehenden Ärztemangel will die neue Bundesregierung dahingehend vermeiden, indem der Medizinernachwuchs bereits in der Ausbildung gefördert wird und Mobilitätshilfen und Anreize für die Niederlassung in unterversorgten Regionen gegeben werden.

Die Struktur der derzeitigen ambulanten Versorgung soll erhalten bleiben. Allerdings sind Einschränkungen bei den Medizinischen Versorgungszentren, kurz: MVZ geplant.

Weitere Artikel zum Thema:
Weitere Artikel

Rentenberatung

Rentenbeginn

Beginn von Renten der Gesetzlichen Rentenversicherung Besteht ein Anspruch auf eine Rente der Gesetzlichen Rentenversicherung, muss seitens des Rentenversicherungsträgers geprüft...

Rentenberatung

weiterlesen

Arbeitsmarktrente

Arbeitsmarktrente, die besondere volle Erwerbsminderungsrente Die Arbeitsmarktrente ist eine besondere Rente, welche von der Gesetzlichen Rentenversicherung im Falle einer Erwerbsminderung...

Rentenberatung

weiterlesen

Reisekosten (GRV)

Fahrkosten/Transportkosten von der Gesetzlichen Rentenversicherung Nimmt ein Versicherter zu Lasten der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) eine medizinische Rehabilitationsbehandlung oder eine Leistung...

Rentenberatung

weiterlesen
100%
-
+
1
Show options

Rentenberater

Registrierte Rentenberater

Registrierte Rentenberater sind für ihre Kunden da Vor mehr als einem halben Jahrhundert hat sich der Berufsstand des Rentenberaters gegründet...

Rentenberater

weiterlesen

Berufsstand und Tätigkeitsprofil eines Rentenberater

Der Berufsstand des Rentenberaters Der Berufsstand des Rentenberaters etablierte sich in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts und somit erst...

Rentenberater

weiterlesen

Der Rentenberater

Der Rentenberater Rentenberater sind seit ungefähr 50 Jahren ein wichtiger Bestandteil der Rechtspflege. Das Amts- bzw. Landgericht prüft vor Zulassung...

Rentenberater

weiterlesen
100%
-
+
1
Show options

Rentenversicherung

Rentenversicherungspflicht von selbstständigen Logopäden

Versicherungspflicht kann ab 01.04.2012 bestehen In der Gesetzlichen Rentenversicherung unterliegen auch Selbstständige teilweise der Versicherungspflicht. So werden nach § 2...

Rentenversicherung

weiterlesen

Seniorenstudium keine Anrechnungszeit

Seniorenstudium wird nicht als rentenrechtliche Anrechnungszeit gewertet Bei der Berechnung einer Rente werden in erster Linie die Beitragszeiten gewertet. Das...

Rentenversicherung

weiterlesen

Jahresmeldungen 2011 prüfen

Jahresmeldung für Rentenkonto wichtig! Spätestens bis zum 30.04.2012 müssen die Arbeitgeber die Jahresmeldung für das Jahr 2011 abgeben. Die Meldung...

Rentenversicherung

weiterlesen

Handwerker-Pflichtversicherung soll abgeschafft werden

Bald keine Rentenversicherungspflicht selbstständiger Handwerker mehr Selbstständige Handwerker sind nach der aktuellen Gesetzeslage in der Gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Konkret bedeutet...

Rentenversicherung

weiterlesen

Rentenerhöhung 2012

Kräftige Rentenerhöhung zum 01.07.2012 Die mehr als 20 Millionen Rentenbezieher dürfen sich auf eine kräftige Rentenerhöhung zum 01.07.2012 freuen. Die...

Rentenversicherung

weiterlesen

Krankenversicherung

Keine Spitzenmedizin um jeden Preis

Keine Kostenübernahme spezieller Krebsdiagnostik im Ausland Die Gesetzliche Krankenversicherung muss nicht für die Diagnostik und Krankenbehandlung aufkommen, die der Spitzenmedizin...

Krankenversicherung

weiterlesen

Freiwilliger Wehrdienst und die Sozialversicherung

Sozialversicherungsrechtliche Auswirkung des freiwilligen Wehrdienstes Zum 01.07.2011 wurde der Bundesfreiwilligendienst eingeführt. Zeitgleich wurde die bis dahin bestehende Wehrpflicht ausgesetzt. Der...

Krankenversicherung

weiterlesen

Fettabsaugung nicht auf Kassenkosten

Liposuktion darf Krankenkasse nicht übernehmen Bei einer Fettabsaugung, einer sogenannten Liposuktion, handelt es sich um eine neue Untersuchungs- und Behandlungsmethode....

Krankenversicherung

weiterlesen

Nationaler Krebsplan macht Fortschritte

Bekämpfung der Krankheit Krebs Mit über 218.000 Todesfällen pro Jahr ist Krebs die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Jahr für Jahr...

Krankenversicherung

weiterlesen

Arbeitsunfähig auch bei Besuch des Fitnessstudios

Landesarbeitsgericht Köln vom 02.11.2011, S 9 SA 1581/10 Arbeitnehmer haben im Falle einer Arbeitsunfähigkeit gegenüber dem Arbeitgeber einen Entgeltfortzahlungsanspruch für...

Krankenversicherung

weiterlesen

Pflegeversicherung

Eckpunkte Pflegereform 2013

Geplante Verbesserungen Pflegeleistungen 2013 Bereits im November 2011 wurde beschlossen, dass der Beitragssatz zur Sozialen Pflegeversicherung für die Zeit ab...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Altersgerechtes Wohnen, Umbaumaßnahmen finanzieren

Als Senior kommt garantiert irgendwann jeder an den Punkt, an dem man seine Wohnung oder sein Haus nicht mehr wie...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Beitragssatz Pflegeversicherung 2012

News image

Beitragssatz Soziale Pflegeversicherung bleibt 2012 stabil Bereits seit dem 01.07.2008 liegt der Beitragssatz in der Sozialen Pflegeversicherung bei 1,95 Prozentpunkten....

Pflegeversicherung

weiterlesen

Familienpflegezeit

Flexible Arbeitszeit nach dem Familienpflegezeitgesetz ab 2012 Schon seit Juli 2008 haben Beschäftigte die Möglichkeit, sich für die Pflege von...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Rentenversicherungspflicht Pflegepersonen 2012

Beitragszahlungen erhöhen sich nur in alten Bundesländern Pflegepersonen, die einen Pflegebedürftigen nicht erwerbsmäßig pflegen, können in der Gesetzlichen Rentenversicherung versicherungspflichtig...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Unfallversicherung

Entfernung gefährdender Gegenstand von Autobahn ist unfallversichert

Bundessozialgericht vom 27.03.2012, Az. B 2 U 7/11 R Unter dem gesetzlichen Unfallversicherungsschutz stehen nicht nur Arbeitnehmer während ihrer beruflichen...

Unfallversicherung

weiterlesen

Beinahe-Unfall kann Arbeitsunfall sein

Beinahe-Unfall kann grundsätzlich gesetzlicher Arbeitsunfall sein In seinen Urteilen vom 29.11.2011 (Az. B 2 U 10/11 R und B 2...

Unfallversicherung

weiterlesen

Pause war ohne gesetzlichen Unfallversicherungsschutz

Urteil Bayerisches Landessozialgericht vom 25.10.2011, Az. L 3 U 52/11 Mit Urteil vom 25.10.2011 entschied das Bayerische Landessozialgericht über die...

Unfallversicherung

weiterlesen

Mord ist kein Arbeitsunfall

Landessozialgericht verneint Anspruch auf Witwenrente Wird jemand bei einer betriebsbedingten Autofahrt ermordet und steht der Tod nicht im Zusammenhang mit...

Unfallversicherung

weiterlesen

Kein UV-Schutz für geringfügige Hilfeleistungen

Urteil Hessisches Landessozialgericht vom 28.06.2011, Az. L 3 U 134/09 Beschäftigte sind während ihrer beruflichen Tätigkeit gesetzlich unfallversichert. Ereignet sich...

Unfallversicherung

weiterlesen