Schwierigkeiten, einen Arbeitsplatz zu finden rechtfertigen keine Erwerbsminderungsrente

Am 03.04.2008 hat das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg ein Urteil (Az. L 27 RJ 52/04) verkündet, das viele Erwerbsgeminderte betrifft, denen die Rente wegen teilweiser oder voller Erwerbsminderung abgelehnt wurde, gleichzeitig jedoch aufgrund der Leistungseinschränkungen kein geeigneter Arbeitplatz mehr gefunden wird.

Klagegegenstand

Das Landessozialgericht (LSG) Berlin-Brandenburg musste über einen Fall entscheiden, in dem ein 1954 geborener Versicherter vom zuständigen Rentenversicherungsträger die im Jahr 1999 beantragte Rente wegen Erwerbsunfähigkeit abgelehnt bekam. Als antragsbegründende Diagnosen wurden Herzbeschwerden, Osteoporose, Asthma bronchiale angegeben. Zusätzlich wurden schmerzhafte Einschränkungen am Haltungs- und Bewegungsapparat aufgeführt.

Nach einer medizinischen Begutachtung lehnte der Rentenversicherungsträger die beantragte Rente ab. Nach dem Gutachten sind für den Versicherten noch leichte bis mittelschwere Tätigkeiten ausführbar, die im Wechsel der Haltungsarten erfolgen sollten. Die im Widerspruchsverfahren zusätzlich eingereichten Arztbriefe reichten nicht aus, um die Voraussetzungen für eine Berufs- bzw. Erwerbsminderungsrente zu erfüllen. Da auch die Voraussetzungen für eine Rente wegen voller bzw. teilweiser Erwerbsminderung nach dem Recht ab 01.01.2001 nicht erfüllt wurden, wurde am 10.07.2001 ein ablehnender Widerspruchsbescheid erlassen, gegen den der Versicherte Klage erhob.

Nachdem auch das Sozialgericht eigene Ermittlungen durchführte, wurde die Klage mit Urteil vom 20.01.2004 (Az. S 4 RJ 548/01) vom zuständigen Sozialgericht abgewiesen. Die Richter des Sozialgerichts Potsdam zogen für ihre Entscheidung unter anderem den Entlassungsbericht einer in der Zeit vom 26.09.2001 bis 17.10.2001 durchgeführten Rehabilitationsmaßnahme und vom 22.11.2001 bis 01.12.2001 erfolgten stationären Krankenhausbehandlung heran. Da die ärztlichen Unterlagen zu dem Schluss kommen, dass noch körperlich leichte Arbeiten im Umfang von mindestens sechs Stunden täglich ausgeübt wurden können, hatte das Sozialgericht die für den Kläger negative Entscheidung getroffen.

Gegen das Urteil des Sozialgerichts Potsdam legte der Versicherte Berufung zum Landessozialgericht Berlin-Brandenburg ein.

Landessozialgericht Berlin-Brandenburg

Mit Urteil vom 30.04.2008 (Az. L 27 RJ 52/04) wurde auch die Berufung abgewiesen. Das Berufungsgericht bestätigte das abweisende Urteil des Sozialgerichts und die Auffassung des Rentenversicherungsträger, dass kein Rentenanspruch besteht.

Die Richter des Landessozialgerichts sahen in den vorliegenden ärztlichen Unterlagen eine übereinstimmende Einschätzung des Gesundheitszustandes. Alle ärztlichen Aussagen kommen zu dem Ergebnis, dass – trotz der vorliegenden Krankheiten bzw. Diagnosen – der Kläger noch leichte Arbeiten im Umfang von täglich mindestens sechs Stunden ausüben kann. Auch hatte der zuständige Senat des LSG alle medizinisch relevanten Gesichtspunkte für ausreichend geklärt angesehen.

Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Die Richter führten in ihrem Urteil zusätzlich aus, dass bei der Beurteilung eines möglichen Rentenanspruchs wegen Erwerbsminderung irrelevant ist, ob der Kläger auf dem Arbeitmarkt noch eine offene Stelle finden kann. Das Risiko, keinen Arbeitsplatz zu erlangen fällt in den Zuständigkeitsbereich der Arbeitslosenversicherung, wenn der Versicherte noch ein vollschichtiges Leistungsvermögen hat. Die Rentenversicherung ist in der Regel für dieses Risiko nicht zuständig.

Bei dem Kläger liegt auch keine Summierung ungewöhnlicher Leistungseinschränkungen, ebenso wie keine schwere spezifische Leistungsbehinderung vor. Nur in diesen Fällen kann ausnahmsweise eine Verschiebung des abzudeckenden Risikos von der Arbeitslosenversicherung auf die Rentenversicherung in Betracht kommen. In der Urteilsbegründung wird zwar herausgestellt, dass der Kläger eine Reihe von qualitativen Leistungseinschränkungen hat, jedoch diese sich im Rahmen halten. Die vorliegenden Leistungseinschränkungen können unter den Begriff „leichte körperliche Tätigkeiten“ subsumiert werden, die dem Kläger noch im Umfang von sechs Stunden täglich möglich sind.

Fazit

Kann ein Versicherter noch leichte Tätigkeiten im Umfang von sechs Stunden täglich verrichten, besteht kein Anspruch auf eine Rente wegen Erwerbsminderung. Da in diesem Fall ein vollschichtiges Leistungsvermögen besteht, muss das Risiko, eine offene Stelle am Arbeitsmarkt zu finden, die Arbeitslosenversicherung tragen. Ein Rentenanspruch kann durch vorhandene Schwierigkeiten, keinen geeigneten Arbeitplatz aufgrund von Leistungseinschränkungen zu finden, nicht hergeleitet werden.

Fragen an Rentenberater

Rentenberater – gerichtlich zugelassen und gerichtlich geprüft – stehen für alle Angelegenheiten zur Gesetzlichen Rentenversicherung zur Verfügung. Die von den Versicherungsträgern unabhängigen Experten können umfassend in Widerspruchs- und Klageverfahren (Sozial- und Landessozialgerichte) weiterhelfen und die Leistungsansprüche rechtlich durchsetzen.

Mandatieren Sie die Rentenberatung Helmut Göpfert in Ihrem Anliegen!

Weitere Artikel

Rentenberatung

Rentenbeginn

Beginn von Renten der Gesetzlichen Rentenversicherung Besteht ein Anspruch auf eine Rente der Gesetzlichen Rentenversicherung, muss seitens des Rentenversicherungsträgers geprüft...

Rentenberatung

weiterlesen

Arbeitsmarktrente

Arbeitsmarktrente, die besondere volle Erwerbsminderungsrente Die Arbeitsmarktrente ist eine besondere Rente, welche von der Gesetzlichen Rentenversicherung im Falle einer Erwerbsminderung...

Rentenberatung

weiterlesen

Reisekosten (GRV)

Fahrkosten/Transportkosten von der Gesetzlichen Rentenversicherung Nimmt ein Versicherter zu Lasten der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) eine medizinische Rehabilitationsbehandlung oder eine Leistung...

Rentenberatung

weiterlesen
100%
-
+
1
Show options

Rentenberater

Registrierte Rentenberater

Registrierte Rentenberater sind für ihre Kunden da Vor mehr als einem halben Jahrhundert hat sich der Berufsstand des Rentenberaters gegründet...

Rentenberater

weiterlesen

Berufsstand und Tätigkeitsprofil eines Rentenberater

Der Berufsstand des Rentenberaters Der Berufsstand des Rentenberaters etablierte sich in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts und somit erst...

Rentenberater

weiterlesen

Der Rentenberater

Der Rentenberater Rentenberater sind seit ungefähr 50 Jahren ein wichtiger Bestandteil der Rechtspflege. Das Amts- bzw. Landgericht prüft vor Zulassung...

Rentenberater

weiterlesen
100%
-
+
1
Show options

Rentenversicherung

Rentenversicherungspflicht von selbstständigen Logopäden

Versicherungspflicht kann ab 01.04.2012 bestehen In der Gesetzlichen Rentenversicherung unterliegen auch Selbstständige teilweise der Versicherungspflicht. So werden nach § 2...

Rentenversicherung

weiterlesen

Seniorenstudium keine Anrechnungszeit

Seniorenstudium wird nicht als rentenrechtliche Anrechnungszeit gewertet Bei der Berechnung einer Rente werden in erster Linie die Beitragszeiten gewertet. Das...

Rentenversicherung

weiterlesen

Jahresmeldungen 2011 prüfen

Jahresmeldung für Rentenkonto wichtig! Spätestens bis zum 30.04.2012 müssen die Arbeitgeber die Jahresmeldung für das Jahr 2011 abgeben. Die Meldung...

Rentenversicherung

weiterlesen

Handwerker-Pflichtversicherung soll abgeschafft werden

Bald keine Rentenversicherungspflicht selbstständiger Handwerker mehr Selbstständige Handwerker sind nach der aktuellen Gesetzeslage in der Gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Konkret bedeutet...

Rentenversicherung

weiterlesen

Rentenerhöhung 2012

Kräftige Rentenerhöhung zum 01.07.2012 Die mehr als 20 Millionen Rentenbezieher dürfen sich auf eine kräftige Rentenerhöhung zum 01.07.2012 freuen. Die...

Rentenversicherung

weiterlesen

Krankenversicherung

Keine Spitzenmedizin um jeden Preis

Keine Kostenübernahme spezieller Krebsdiagnostik im Ausland Die Gesetzliche Krankenversicherung muss nicht für die Diagnostik und Krankenbehandlung aufkommen, die der Spitzenmedizin...

Krankenversicherung

weiterlesen

Freiwilliger Wehrdienst und die Sozialversicherung

Sozialversicherungsrechtliche Auswirkung des freiwilligen Wehrdienstes Zum 01.07.2011 wurde der Bundesfreiwilligendienst eingeführt. Zeitgleich wurde die bis dahin bestehende Wehrpflicht ausgesetzt. Der...

Krankenversicherung

weiterlesen

Fettabsaugung nicht auf Kassenkosten

Liposuktion darf Krankenkasse nicht übernehmen Bei einer Fettabsaugung, einer sogenannten Liposuktion, handelt es sich um eine neue Untersuchungs- und Behandlungsmethode....

Krankenversicherung

weiterlesen

Nationaler Krebsplan macht Fortschritte

Bekämpfung der Krankheit Krebs Mit über 218.000 Todesfällen pro Jahr ist Krebs die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Jahr für Jahr...

Krankenversicherung

weiterlesen

Arbeitsunfähig auch bei Besuch des Fitnessstudios

Landesarbeitsgericht Köln vom 02.11.2011, S 9 SA 1581/10 Arbeitnehmer haben im Falle einer Arbeitsunfähigkeit gegenüber dem Arbeitgeber einen Entgeltfortzahlungsanspruch für...

Krankenversicherung

weiterlesen

Pflegeversicherung

Eckpunkte Pflegereform 2013

Geplante Verbesserungen Pflegeleistungen 2013 Bereits im November 2011 wurde beschlossen, dass der Beitragssatz zur Sozialen Pflegeversicherung für die Zeit ab...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Altersgerechtes Wohnen, Umbaumaßnahmen finanzieren

Als Senior kommt garantiert irgendwann jeder an den Punkt, an dem man seine Wohnung oder sein Haus nicht mehr wie...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Beitragssatz Pflegeversicherung 2012

News image

Beitragssatz Soziale Pflegeversicherung bleibt 2012 stabil Bereits seit dem 01.07.2008 liegt der Beitragssatz in der Sozialen Pflegeversicherung bei 1,95 Prozentpunkten....

Pflegeversicherung

weiterlesen

Familienpflegezeit

Flexible Arbeitszeit nach dem Familienpflegezeitgesetz ab 2012 Schon seit Juli 2008 haben Beschäftigte die Möglichkeit, sich für die Pflege von...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Rentenversicherungspflicht Pflegepersonen 2012

Beitragszahlungen erhöhen sich nur in alten Bundesländern Pflegepersonen, die einen Pflegebedürftigen nicht erwerbsmäßig pflegen, können in der Gesetzlichen Rentenversicherung versicherungspflichtig...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Unfallversicherung

Entfernung gefährdender Gegenstand von Autobahn ist unfallversichert

Bundessozialgericht vom 27.03.2012, Az. B 2 U 7/11 R Unter dem gesetzlichen Unfallversicherungsschutz stehen nicht nur Arbeitnehmer während ihrer beruflichen...

Unfallversicherung

weiterlesen

Beinahe-Unfall kann Arbeitsunfall sein

Beinahe-Unfall kann grundsätzlich gesetzlicher Arbeitsunfall sein In seinen Urteilen vom 29.11.2011 (Az. B 2 U 10/11 R und B 2...

Unfallversicherung

weiterlesen

Pause war ohne gesetzlichen Unfallversicherungsschutz

Urteil Bayerisches Landessozialgericht vom 25.10.2011, Az. L 3 U 52/11 Mit Urteil vom 25.10.2011 entschied das Bayerische Landessozialgericht über die...

Unfallversicherung

weiterlesen

Mord ist kein Arbeitsunfall

Landessozialgericht verneint Anspruch auf Witwenrente Wird jemand bei einer betriebsbedingten Autofahrt ermordet und steht der Tod nicht im Zusammenhang mit...

Unfallversicherung

weiterlesen

Kein UV-Schutz für geringfügige Hilfeleistungen

Urteil Hessisches Landessozialgericht vom 28.06.2011, Az. L 3 U 134/09 Beschäftigte sind während ihrer beruflichen Tätigkeit gesetzlich unfallversichert. Ereignet sich...

Unfallversicherung

weiterlesen