Das Thema Pflegestützpunkte wird derzeit intensiv diskutiert

Neben Japan wird Deutschland das erste Land der Welt sein, in dem die Generation der heute 30- bis 40-jährigen erlebt, wie die Zahl der 80-jährigen auf das 3-fache anwächst. Das heißt, dass ein Arbeitnehmer mit seinen Beiträgen zur Pflegeversicherung drei Rentner versorgen wird.

Bundesregierung möchte vorsorgen

Die Bundesregierung möchte heute schon für diesen kritischen Zeitpunkt vorsorgen. Es sollen Strukturen entwickelt werden, die dazu dienen, die Jungen zu entlasten. Denn die Lebenschancen von Söhnen und Töchtern, sollen nicht zu Gunsten der Pflege der Eltern leiden. Dazu sollen mehr Angebote geschaffen werden, die es alten Menschen länger ermöglichen, zu Hause in der gewohnten Umgebung zu verbleiben. Geplant ist nicht nur die Förderung von Unterstützung im alltäglichen Leben, wie etwa die Familienhelferin. Vielmehr sollen auch vermehrt Plätze in der Tagespflege geschaffen werden. In dieser speziellen Form der Pflege werden die alten Menschen morgens von zu Hause abgeholt und außer Haus betreut. Abends werden sie zurück in ihre Wohnung gebracht. Das hat vor allem den Vorteil, dass alte Menschen die sonst alleine Zuhause wären, in Kontakt mit anderen kommen. Und die Angehörigen werden in der Pflege entlastet.

Pflegestützpunkte sollen eingerichtet werden

Neben einem breiten Angebot an haushaltsnahen Unterstützungen - wie etwa dem ambulanten Pflegedienst - sollen feste Pflegestützpunkte in den Gemeinden installiert werden. In diesen Pflegestützpunkten sollen Angehörige und zu Pflegende eine Anlaufstelle finden. Neben der Vermittlung von Hilfen für den Alltag, sollen die Pflegestützpunkte auch pflegerischen Bedarf erfassen und koordinieren.

In diesen Pflegestützpunkten, sollen die Angehörigen schnell Rat und Hilfe erhalten, wenn der Pflegefall eintritt. Denn Pflegebedürftigkeit kann plötzlich auftreten und Angehörige können damit allein im Alltag leicht überfordert sein.

Außerdem sollen die Pflegestützpunkte die Angebote am Wohnort für Pflegebedürftige aufeinander abstimmen und vernetzen. Damit ist für die Angehörigen der Vorteil gegeben, dass sie alle Leistungen aus einer Hand erhalten.

Dabei soll das System des Fallmanagers angewandt werden. Das heißt, dass sich eine geschulte Fachkraft um die Versorgung von bis zu 100 Pflegebedürftigen kümmert. Nicht nur die Versorgung mit Pflegeangeboten gehört dann zum Fallmanagement. Sondern auch der Abschluss eines Vertrages mit der Krankenversicherung und die Absicherung der Kosten.

Streit in der Regierung

Grundsätzlich sind die Pflegestützpunkte eine gute Einrichtung. Doch genau hier gibt es in der Regierung derzeit einige Streitpunkte. So sehen viele, allen voran die CSU, nur einen Bürokratieaufbau und eine Verschwendung der finanziellen Mittel. Denn für die Pflegestützpunkte soll ein dreistelliger Millionenbetrag aufgewendet werden, der für die Betreuung der Pflegebedürftigen besser angelegt wäre. Als Alternative wurde angeregt, die derzeit bestehenden Beratungsstrukturen auszubauen und besser zu vernetzen. Letztlich sollten solche Doppelstrukturen vermeiden werden.

Auch Fraktionsvize Wolfgang Zöller wehrte sich gegen die Pflegestützpunkte. So ist seiner Meinung nach kein neues Gesetz dafür notwendig, die Pflegeberatung unbürokratisch an einer Stelle zu organisieren. Denn schon jetzt müssen die Pflegekassen über die Leistungen der Gesetzlichen Pflegeversicherung beraten. Zudem können Betroffene auch an anderen Stellen Rat und Hilfe einholen. Daher sollten die bestehenden Beratungsinstanzen ausgebaut und stärker vernetzt werden.

Modellprojekte zur Pflegestützpunkten

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt verteidigt die Pflegestützpunkte derzeit mit allen Mitteln und sieht hierin eine immens wichtige Einrichtung. Die Pflegestützpunkte sollen vor Ort für alle Fragen rund um die Pflege da sein, so dass Betroffene – also Pflegebedürftige und Pflegende – nicht mehr von Stelle zu Stelle geschickt werden.

Angedacht wird durch das Gesundheitsministerium derzeit, in 16 Modellregionen Pflegestützpunkte mit insgesamt einer Million Euro zu, einzurichten – pro Bundesland ein Pflegestützpunkt. Diese neuen Pflegestützpunkte sollen dann bis zum 01.07.2008 – dem Inkrafttreten der Pflegereform – Erfahrungsberichte liefern können.

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