Das Statusfeststellungsverfahren

Mit dem Statusfeststellungsverfahren erfolgt die Feststellung, ob ein Auftragnehmer seine Tätigkeit für einen Auftraggeber im Rahmen einer selbstständigen Tätigkeit oder im Rahmen einer abhängigen Beschäftigung ausübt.

Während bei einer selbstständigen Tätigkeit der Auftragnehmer seinen Versicherungsschutz selbst sicherstellen muss, begründet eine abhängige Beschäftigung einen umfassenden Sozialversicherungsschutz mit einer Versicherungspflicht in der Gesetzlichen Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Darüber hinaus trägt bei einer abhängigen Beschäftigung der Arbeitgeber (bis auf wenige Ausnahmen) die Hälfte der Sozialversicherungsbeiträge.

Grenzen sind fließend

Wenn in einem Rechtsverhältnis zwischen Auftragnehmer und Auftraggeber bzw. abhängigen Beschäftigten und Arbeitgeber Punkte für bzw. gegen eine abhängige Beschäftigung sprechen, gleichzeitig aber auch Punkte für bzw. gegen eine selbstständige Tätigkeit vorliegen, sollte das Statusfeststellungsverfahren eingeleitet werden.

Dies bedeutet, dass das Verfahren nur dann Anwendung findet, wenn objektive Zweifelsfälle vorliegen.

Im Rahmen dieses Statusfeststellungsverfahrens wird durch die Deutsche Rentenversicherung genau geprüft, ob die Merkmal einer Beschäftigung oder die Merkmale einer selbstständigen Tätigkeit überwiegen. Hiernach wird eine Entscheidung getroffen, die sich in der Praxis als teilweise schwierig erweist, da die Grenzen zwischen einer selbstständigen Tätigkeit und einer abhängigen Beschäftigung fließend sein können. Die Deutsche Rentenversicherung ist jedoch verpflichtet eine Entscheidung zu treffen, bei der alle Umstände des Einzelfalles ausreichend gewürdigt werden.

Vor Entscheidung erfolgt eine Anhörung

Hat die Deutsche Rentenversicherung Bund ein umfassendes Bild über das Vorliegen einer abhängigen Beschäftigung oder selbstständigen Tätigkeit erlangt, wird nicht sofort über die Entscheidung ein entsprechender Bescheid erstellt.

Die Beteiligten werden im ersten Schritt darüber informiert, zu welchem Ergebnis sie gelangt ist und welche Entscheidung die Deutsche Rentenversicherung treffen möchte. Erst dann, wenn sich die Beteiligten dazu äußern konnten – und ggf. eine Gegendarstellung geschildert haben – wird ein Bescheid erstellt.

Entscheidung ist bindend

Eine Entscheidung, die im Rahmen eines Statusfeststellungsverfahrens durch die Deutsche Rentenversicherung Bund getroffen wird, ist für die anderen Sozialversicherungszweige – also auch für die Gesetzliche Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung – bindend. Hier ist vor allem die Gesetzliche Arbeitslosenversicherung hervorzuheben, die seit dem 01.01.2005 leistungsrechtlich an die Entscheidung gebunden ist.

In der Vergangenheit entstanden in der Praxis dahingehend Probleme, dass z. B. eine Entscheidung für ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis durch die Einzugsstelle getroffen wurde und auch ein entsprechender Bescheid erstellt wurde. In einem späteren Leistungsfall hat die Agentur für Arbeit nochmals eine Prüfung durchgeführt und nicht die Auffassung der Einzugsstelle geteilt. Dies hatte dann was eine Leistungsverweigerung (keine Zahlung von Arbeitslosengeld) zur Folge hatte.

Zuständige Stelle

Deutsche Rentenversicherung Bund

Die Deutsche Rentenversicherung Bund ist für die Durchführung eines Statusfeststellungsverfahrens zuständig. Das Verfahren wird jedoch nicht durchgeführt, wenn vor der Antragstellung schon durch

  • einen Rentenversicherungsträger (zum Beispiel durch die Ankündigung einer Betriebsprüfung) oder
  • eine Gesetzliche Krankenkasse (Einzugsstelle)

ein Verwaltungsverfahren eingeleitet wurde, mit dem über das Vorliegen einer abhängigen Beschäftigung bzw. selbstständigen Tätigkeit entschieden werden kann.

Krankenkasse

Ist lediglich zu prüfen, ob eine Beschäftigung im Sinne der Sozialversicherung vorliegt und für eine selbstständige Tätigkeit kein Raum bleibt, ist die Krankenkasse für die Prüfung zuständig. Als Beispiel kann hier z. B. die Prüfung einer Beschäftigung im Rahmen einer familienhaften Mithilfe oder von Fremdgeschäftsführer einer GmbH genannt werden.

Antrag ist zu stellen

Um ein Statusfeststellungsverfahren einzuleiten, ist ein Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung Bund zu stellen, die hierfür auch entsprechende Antragsvordrucke (V027) zur Verfügung stellt. Der Antrag kann sowohl vom Auftragnehmer als auch vom Auftraggeber gestellt werden. Für das Antragsverfahren stehen auch gerichtlich zugelassene Rentenberater zur Verfügung, die hier professionelle Hilfe leisten.

Wird von einer Vertragspartei ein Antrag gestellt, ist generell auch die andere Partei mit einzuschalten.

Auch Einzugsstelle leitet Statusfeststellung in die Wege

Nach den gesetzlichen Vorschriften sind auch die Einzugsstellen – also die Krankenkassen – verpflichtet, eine Statusfeststellung in die Wege zu leiten. Dies ist dann der Fall, wenn aus der Meldung des Arbeitgebers ersichtlich ist, dass der Beschäftigte entweder

  • ein Ehegatte / Lebenspartner des Arbeitgebers,
  • ein Abkömmling (z. B. Kind) des Arbeitgebers ist (neues Verfahren ab 01.01.2008) oder
  • ein geschäftsführender Gesellschafter einer GmbH,

ist.

Hilfe und Beratung

Gerichtlich zugelassene Rentenberater bieten Ihnen Hilfe und Beratung im Zusammenhang mit einem Statusfeststellungsverfahren / Prüfung des Vorliegens einer Beschäftigung im Sinne der Sozialversicherung an, z. B.:

  • Antragstellung und Einleitung eines Statusfeststellungsverfahrens,
  • Überprüfung der Entscheidung, welche die Deutsche Rentenversicherung Bund im Rahmen eines Statusfeststellungsverfahrens treffen möchte bzw. die bereits getroffen wurde,
  • ggf. Durchführung des Widerspruchs- bzw. Klageverfahrens, sofern die Entscheidung ein anderes Ergebnis im Statusfeststellungsverfahren zulässt,
  • u. s. w.

Weitere Artikel zum Thema:

Weitere Artikel

Rentenberatung

Befristung von Pflegeleistungen

Leistungsbescheide können von Pflegekasse befristet werden Seit der Umsetzung der letzten Pflegereform (Pflege-Weiterentwicklungsgesetz), welche zum 01.07.2008 in Kraft getreten ist,...

Rentenberatung

weiterlesen

Krankengelddynamisierung

Krankengeld wird erhöht Der Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung sieht die Leistung von Krankengeld vor, wenn ein Versicherter aufgrund einer Krankheit...

Rentenberatung

weiterlesen

Witwenrente und Witwerrente nach vorletzten Ehegatten

Die Witwen- und Witwerrente nach dem vorletzten Ehegatten Verstirbt ein Ehegatte, haben die Witwen- bzw. Witwer grundsätzlich einen Anspruch auf...

Rentenberatung

weiterlesen
100%
-
+
1
Show options

Rentenberater

Registrierte Rentenberater

Registrierte Rentenberater sind für ihre Kunden da Vor mehr als einem halben Jahrhundert hat sich der Berufsstand des Rentenberaters gegründet...

Rentenberater

weiterlesen

Berufsstand und Tätigkeitsprofil eines Rentenberater

Der Berufsstand des Rentenberaters Der Berufsstand des Rentenberaters etablierte sich in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts und somit erst...

Rentenberater

weiterlesen

Der Rentenberater

Der Rentenberater Rentenberater sind seit ungefähr 50 Jahren ein wichtiger Bestandteil der Rechtspflege. Das Amts- bzw. Landgericht prüft vor Zulassung...

Rentenberater

weiterlesen
100%
-
+
1
Show options

Rentenversicherung

Hoher Bundeszuschuss für Rentenversicherung

Bundeshaushalt 2011 und Rentenleistungen Der Beitragssatz zur Gesetzlichen Rentenversicherung beträgt derzeit 19,9 Prozentpunkte. Doch die Beiträge, welche von den Arbeitnehmern,...

Rentenversicherung

weiterlesen

Ausbildung bei Strafgefangenen wird nicht anerkannt

Keine höhere Rente bei einem Studium im Gefängnis Absolviert ein Versicherter der Gesetzlichen Rentenversicherung eine Ausbildung, wird die Ausbildungszeit grundsätzlich...

Rentenversicherung

weiterlesen

Rentenabschläge werden oft in Kauf genommen

Viele Rentner nehmen Rentenabschläge in Kauf Nimmt ein Versicherter die Altersrente zum regulären Rentenbeginn in Anspruch, wird diese in voller...

Rentenversicherung

weiterlesen

Renteneinschnitte bei Arbeitslosengeld II-Bezieher

Langzeitarbeitslose bekommen weniger Rente Im Rahmen eines Sparpaketes, welches die Bundesregierung aktuell ausarbeitet, sollen bis zum Jahr 2014 die Ausgaben...

Rentenversicherung

weiterlesen

Keine Berufsunfähigkeit bei zulässiger Verweisung

Anspruch auf EM-Rente besteht nicht bei zulässiger Verweisung Für Versicherte, die vor dem 02.01.1961 geboren wurden, kann von der Gesetzlichen...

Rentenversicherung

weiterlesen

Krankenversicherung

Ausländisches Attest und Arbeitsunfähigkeit

Mit ausländischem Attest wird nicht immer Arbeitsunfähigkeit nachgewiesen Erkrankt ein Arbeitnehmer im Ausland, muss die Arbeitsunfähigkeit über ein aussagekräftiges Attest...

Krankenversicherung

weiterlesen

Krankenkassenbeitrag 2011

Kassenbeitrag wird auf 15,5 Prozent erhöht Ab dem 01.01.2011 wird der Beitragssatz zur Gesetzlichen Krankenversicherung von derzeit 14,9 Prozent auf...

Krankenversicherung

weiterlesen

Höhere Krankengeldausgaben 2009

Krankengeldausgaben sind im Jahr 2009 deutlich gestiegen Krankengeld ist eine wichtige Leistung der Gesetzlichen Krankenversicherung. Arbeitsunfähige Mitglieder bekommen durch das...

Krankenversicherung

weiterlesen

Kostenübernahme Implantat-Reinigung

Krankenkasse muss Implantat-Reinigung übernehmen Nach einem Urteil des Landessozialgerichts Rheinland-Pfalz muss eine gesetzliche Krankenkasse die Kosten für eine Implantat-Reinigung übernehmen....

Krankenversicherung

weiterlesen

Hilfsmittel, Wartungskosten

Wartungskosten müssen von Krankenkasse getragen werden Mit Urteil vom 10.03.2010 hat das Bundessozialgericht unter dem Aktenzeichen B 3 KR 1/09...

Krankenversicherung

weiterlesen

Pflegeversicherung

Terrassentüre wird bezuschusst

Wohnumfeldverbessernde Maßnahme und Terrassentüre Der Leistungskatalog der Sozialen Pflegeversicherung sieht subsidiäre finanzielle Zuschüsse zu wohnumfeldverbessernden Maßnahmen vor. Wird durch eine...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Beratungseinsätze

Die Pflegeinsätze von Pflegegeldbeziehern Pflegebedürftige, die von ihrer Pflegekasse ausschließlich Pflegegeld beziehen, sind nach den gesetzlichen Vorschriften dazu verpflichtet, einen...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Aufteilung Pflegezeit nicht möglich

Pflegezeit kann nicht „gestückelt“ werden Seit Juli 2008 haben Beschäftigte die Möglichkeit, sich von der Arbeit befreien zu lassen, um...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Berechnung Pflegezeit

Nur Verrichtungen werden auf volle Minuten gerundet In der Sozialen Pflegeversicherung werden für die Versicherten die Pflegestufen danach vergeben, in...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Budgets in der Sozialen Pflegeversicherung

Modellvorhaben ist gestartet Der Bundestag hatte bereits im Jahr 2008 einen Beschluss gefasst, trägerübergreifende Budgets in der Sozialen Pflegeversicherung zu...

Pflegeversicherung

weiterlesen

Unfallversicherung

Verheben kein Arbeitsunfall

Bandscheibenvorfall nach Anheben der Leiter Ein gesetzlicher Arbeitsunfall liegt nicht vor, wenn ein Maler eine Leiter trägt und dabei einen...

Unfallversicherung

weiterlesen

Getränk holen war nicht unfallversichert

Beschaffen von Getränken und der gesetzliche UV-Schutz Werden von einem Beschäftigten während der Arbeitszeit Nahrungsmittel oder Getränke besorgt bzw. diese...

Unfallversicherung

weiterlesen

Nach ausgeheiltem Arbeitsunfall keine Unfallrente

Keine Verletztenrente nach ausgeheiltem Arbeitsunfall Versicherte der Gesetzlichen Unfallversicherung haben einen Anspruch auf eine Unfallrente, auch Verletztenrente genannt, wenn die...

Unfallversicherung

weiterlesen

Kein Wegeunfall bei langen Pausen

Lange Pausen schließen gesetzlichen Unfallversicherungsschutz aus Vom gesetzlichen Unfallversicherungsschutz werden auch die Wege vom häuslichen Bereich an den Ort der...

Unfallversicherung

weiterlesen

Faschingsfußballturnier nicht unfallversichert

Kein Arbeitsunfall bei Faschingsfußballturnier Vom gesetzlichen Unfallversicherungsschutz werden grundsätzlich Firmenfeste und Betriebsausflüge erfasst. Das heißt, dass ein Unfall, der sich...

Unfallversicherung

weiterlesen